Erst im Juni 2013 war von einer sehr ansprechenden CD mit Werken für Klavier-Duo des Deutschfranzosen Théodore Gouvy (1819 - 1898) zu berichten gewesen – und nun liegt ein Porträt mit drei CDs in einem rund 100 Seiten starken Buch auf dem Tisch: Kein Zweifel, Gouvy ist im Kommen.
Vielleicht zu Recht, möchte man vorsichtig sagen, wenn man etwa in seine Ouvertüren hineinhört: Durchaus souverän zeigte er sich in puncto Orchesterbehandlung und kreativ in puncto Erfindungsgabe, als er sich 1853 von Schillers „Jeanne d’Arc“ inspirieren ließ – zu einer Zeit freilich, als Mendelssohns stilistisch ähnlich gelagertes Ouvertürenschaffen naturgemäß schon lang seinen Abschluss gefunden hatte.
Recht klassizistisch fällt auch das Kammermusikschaffen aus: 1876, just zu der Zeit, als Fauré zu komponieren begann, legte Gouvy ein Streichquartett in a-Moll vor, das klingt, als hätten Mendelssohn und Spohr sich an eine Gemeinschaftsproduktion gewagt.
„La Religieuse“, eine „Scène dramatique“ für Orchester und Mezzosopran, ähnelt vom Typus jenen Kantaten, mit denen sich viele von Gouvys Kollegen um den Rompreis beworben haben: Das aufgewühlte Innenleben einer emotional etwas instabilen Nonne bietet dem Komponisten eine breite Affektpalette als Steilvorlage; man könnte sich vorstellen, dass eine Sängerin, die über mehr Farben verfügt als die hier zum Einsatz gebrachte, dem Stück auch noch deutlich mehr hätte entlocken können.
Einmal mehr hingegen besticht auch in dieser Sammlung die Klaviermusik Gouvys: Die von Emmanuelle Swiercz gespielten „Sérénades“ beweisen, dass Gouvy in seiner Doppeleigenschaft als Komponist und hervorragender Pianist wahrlich zu Bestleistungen fähig war.

Michael Wersin, 08.03.2014



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