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Where Water Travels Home

Simin Tander

Jazzhaus/in-akustik 0366090
(57 Min.)

Es gibt eine ganze Reihe von Sängerinnen und Sängern, die dem Jazz hierzulande mit ihrer unterschiedlichen kulturellen Herkunft spannende neue Impulse verleihen: Die in Albanien geborene Fjoralba Turku beispielsweise, der aus dem Libanon stammende Rabih Lahoud mit seinem Quartett Masaa oder die Iranerin Cymin Samawatie. Simin Tander fügt diesem Mosaik nun einen bunt schimmernden Stein aus einer Region hinzu, über die in deutschen Nachrichten vorrangig in dunklen Farben berichtet wird.
Man kann es so ausdrücken: Die Vielfalt unseres Jazz wird auch am Hindukusch verteidigt. Das Afghanistan, das sich die in Deutschland aufgewachsene Tochter eines afghanischen Journalisten im Rahmen ihrer musikalischen Identitätssuche imaginiert, ist dabei voll von geheimnisvoller Poesie. Und ähnlich wie die Texte auf Paschtu, die Tander neben Stücken auf Englisch oder in einer eigenen Fantasiesprache auf „Where Water Travels Home“ singt, verhält es sich auch mit ihrer Stimme. Mal erinnert Tander mit ihrem nonverbalen Gurren, Seufzen und Sirren an Maria João; mal, wenn sie in einen poppigen oder chansonesken Duktus wechselt, an Gretchen Parlato. Aber ganz oft klingt sie wie niemand sonst, fremdartig, lockend und gleichzeitig reizvoll zurückweisend.
Auch stilistisch beschreitet Tanders Musik ungewöhnliche Wege. Zuweilen wird der orientalisch gefärbte Kammerjazz ihres einfühlsam begleitenden Klavier-Trios von Tablas oder perkussiven Zungenschnalzern der Band-Leaderin in Richtung Indien und Pakistan ausgedehnt. Da wirkt die Interpretation des Brel-Klassikers „La chanson de vieux amants“ schon fast beliebig. Wer so starke, zwischen den Welten vermittelnde eigene Stücke wie „Where Would I Fly“ und „Traveling On“ im Programm hat, braucht den Rückgriff auf kerneuropäische Alltagsware nicht.

Josef Engels, 05.04.2014



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