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Hans Salter, Paul Dessau

House Of Frankenstein

Moskauer Sinfonieorchester, William Stromberg

Naxos 8.57 0188
(56 Min., 12/1994) 1 CD

Mehr Schreckensvisagen passten 1944 nun wirklich nicht aufs Kinoplakat. Und angeführt wurde dieses Gruppenbild, auf dem sich Dracula, der Wolfmensch, Frankensteins Monster und ein buckliger Diener versammelt hatten, natürlich von Boris Karloff. Dieser Prototyp des furchteinflößenden Mimen, der in dem Hollywoodstreifen "House of Frankenstein" den mehr als nur leicht durchgedrehten Wissenschaftler Dr. Niemann spielte. Regisseur Eric C. Kenton griff somit aus dem Vollen, um aus dem berühmten Frankensteinstoff eine wahre All-Star-Horrorversion zu machen. Wie cineastisch gebildete Frankensteinologen jedoch rückblickend bestätigen, soll Kenton aber mehr den Profit als den künstlerischen Ertrag im Auge gehabt haben. In einer Zeit, als im Kino der Horror reißenden Absatz fand. Heute mag man sich bei dem kuriosen B-Movie "House of Frankenstein" kaum mehr im Kinosessel oder beim Nachbarn festkrallen. Dafür ist das Wiederhören mit dem Soundtrack umso lohnenswerter. Schließlich wurde mit dem Österreicher Hans J. Salter (1896-1994) ein ehemaliger Alban Berg-Schüler mit der Partitur beauftragt. Zudem besaß der vor den Nazis in die USA geflüchtete Selter nicht nur einen glänzenden Ruf als Horrormusikexperte, sondern bekam noch tatkräftige Unterstützung vom ebenfalls emigrierten Paul Dessau.
Selter und Dessau türmten somit dunkle Klangwolken aufeinander, um die Spannung so hoch wie möglich zu halten. Und selbstverständlich schlagen immer wieder unerwartete Blitze ein – wobei sich hier und da schon mal eine schauerlich-schöne Orgelstimme hineinschlängelt. Als gebildete Komponisten beließen es Selter und Dessau aber nicht bei der Konvention. Die suggestiven Farbballungen tragen schon mal die Handschrift von César Franck und seiner d-Moll-Sinfonie. Die Rhythmen ziehen dann wieder mit der Schärfe eines Schostakowitsch an – bei denen sich das Moscow Symphony Orchestra nun entsprechend austoben kann. Gänsehaut bekommt man zwar davon nicht mehr. Aber man kann sich lebhaft vorstellen, wie pudelwohl sich Dr. Niemann alias Boris Karloff in Frankensteins Schloss gefühlt haben muss. Zwischen all den Gehirnen und schockgefrorenen Körpern.

Guido Fischer, 23.11.2007



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