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Heroes + Misfits

Kris Bowers

Concord/Universal 7234353
(48 Min.)

Es wächst eine neue Alters-Kohorte heran, die twitternd Regierungen zum Abtreten zwingen kann und sich ihre Meinungen aus der Flut der Informationen selber bildet. Für den Pianisten Kris Bowers sind diese Ureinwohner der digitalen Welt „Helden und Unangepasste“, denen er auf seinem Solodebüt „Heroes + Misfits“ Tribut zollt.
Mit Stücken wie „#The Protester“ zeigt der 24-jährige Sieger der „Thelonious Monk International Jazz Piano Competition“ von 2011, dass er auch selbst Teil einer Bewegung ist, die mit hyperaktivem Kombinationsgeschick überfließende Datenströme in konstruktive Bahnen zu lenken versteht. „#The Protester“ vereint einen angezerrten Bass, wie er im Crossover-Rap der 90er Jahre gerne benutzt wurde, mit spätromantischen Klavierlinien à la Brad Mehldau, einem hitzig-poppigen Altsax-Solo von Casey Benjamin sowie mit Vocoder-Einwürfen, die auf Robert Glasper verweisen.
Bowers, dessen klassische Grundausbildung deutlich herauszuhören ist, bewegt sich fernab der ausgetretenen Klavier-Pfade des Jahrtausendwende-Jazz. Manchmal kann seine Musik so klingen wie der Post-Punk von Franz Ferdinand und Konsorten („Wake The Neighbors“ mit verhalltem Schweinerock-Gitarrensolo), dann wieder fühlt man sich an Peter Gabriel („Forget-Er“, mit der produktionstechnisch mehrfach geklonten Stimme von Julia Easterlin) oder an Stevie Wonder („WonderLove“, mit Chris Turner am Gesang-Mikrofon) erinnert.
Es wirkt so, als habe da jemand munter die verschiedensten Playlists auf seinem Smartphone durcheinander gewürfelt. Das Ergebnis: spannender Neo-Jazzrock im Zeichen des Hashtags.

Josef Engels, 19.04.2014



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