Responsive image
John Dowland, Henry Purcell, William Lawes, John Jenkins u.a.

Lachrimae Pavans, Fantasien u.a.

John Holloway, Monika Baer, Renate Steinmann, Susanna Hefti, Martin Zeller

ECM/Universal 002894810430
(49 Min., 3/2013)

Eigentlich muss John Dowland laut Zeitzeugen ein „fröhlicher“ Geselle gewesen sein. Trotzdem gärte im Tiefsten seines Inneren die Seelenfäulnis, besser bekannt als Melancholie. Und wie ansteckend sie war, ist mittlerweile auf kaum mehr zählbaren Klangporträts der elisabethanischen Epoche dokumentiert. Doch so ganz zu Ende erzählt ist die Geschichte nicht, wie der englische Barockviolinist John Holloway mit seinem fünfköpfigen Team beeindruckend zeigt.
Im Zentrum seiner Aufnahme „Pavans and Fantasies From The Age Of Dowland“ steht das epochale, siebenteilige Konvolut „Lachrimae Pavans“, das Dowland während seiner Anstellung als Lautenist am dänischen Hofe begonnen hatte. Als Vorlage für das „Lachrimae“-Thema, das sich durch alle sechs weiteren Pavanen zieht, wählte er seinen Song „Flow My Tears“. Und dieser Titel sagt schon viel über den Grundcharakter eines Kammermusik-Zyklus aus, der ursprünglich wahlweise für Violinen oder Gamben geschrieben wurde. Holloway und seine Mitstreiter haben sich jetzt zumeist für Bratschen entschieden – unterstützt von einer Bass-Violine. Bei aller Abgründigkeit, die sich bei Dowland offenbart, lassen Holloway & Co. aber mit ihrem beseelt dahinströmenden Spiel keinen Zweifel aufkommen, dass auf jede existenzielle Durststrecke ein Licht am Ende des Tunnels wartet.
Ähnlich trost- und hoffnungsspendende Klänge bietet man auch in den Fantasien und Lamenti der Zeitgenossen Dowlands, sei es John Jenkins, Thomas Morley oder der um eine Generation jüngere Matthew Locke. Und wenn selbst Henry Purcell als letzter großer Vertreter der English Baroque Connection mit einer seiner Fantasien den klassischen Semper dolens-Ton anschlägt, schwingen sich die Musiker doch immer wieder zu einer Leichtigkeit auf, um tänzerisch all der Trauer und Verzweiflung ein Schnippchen zu schlagen.

Guido Fischer, 19.04.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top