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Johann Sebastian Bach

Kantaten für das komplette Kirchenjahr, Teil 18

Gerlinde Sämann, Petra Noskaiová, Christoph Genz, Jan van der Crabben, La Petite Bande, Sigiswald Kuijken

Accent/Note 1 ACC 25318
(70 Min., 12/2012) SACD

Nicht die glorreichste Folge von Sigiswald Kuijkens ambitionierter Bachkantaten-Serie, die uns insgesamt ja schon viel Freude beschert hat: Irgendwie scheinen bei den Aufnahmesitzungen im Dezember 2012 nicht alle Beteiligten gleichermaßen fit gewesen zu sein. Unter anderem sind Intonationsprobleme zu beklagen: Zwei Violinen und die Viola vereinigen sich, in der Sopranarie „Lasst der Spötter Zungen“ (BWV 70) unisono geführt, de facto nicht immer zu denselben Tönen. Dann stört die Angewohnheit des Bassisten Jan van der Crabben, Melismen auch im langsamen Tempo grundsätzlich zu aspirieren, den Frieden in den Rahmenteilen der Arie „Seligster Erquickungstag“ (ebenfalls BWV 70) ganz erheblich. Und im Eingangschor derselben Kantate gerät man selbst als einer, der mit der streng solistischen Besetzung der Bachschen Vokalwerke grundsätzlich sympathisiert, in Zweifel, ob das Klangbild eines so prächtigen Concertos mit nur einer Geige pro Stimme und ebenso dünn besetzter Basslage nicht doch ein bisschen dürftig und fadenscheinig ist, wenn sich gleichzeitig eine Trompete hinzugesellt. Bei den Sängern fällt einmal mehr auf, dass Christoph Genz müde und matt klingt: Wenn er Töne auf unbetonten Silben entlastet, kommt es immer wieder zu intonatorischen „Hängematten“, weil sich ohne Druck die Tonhöhe nicht ganz halten lässt. Ein wenig am Ende der Kräfte klingt also ein Teil des Ensembles, während andere Mitwirkende – die ausnahmsweise an dieser Stelle nicht explizit erwähnten – das gewohnt erfreuliche Niveau bringen. Eine sehr durchwachsene CD, unterm Strich.

Michael Wersin, 26.04.2014



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