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Johann Sebastian Bach

Gambensonaten BWV 1027 - 1029, Violinsonate BWV 1019

Marianne Muller, Franҫoise Lengellé

Zig-Zag Territoires/Note 1 ZZT 340
(71 Min., 4/2013)

Was als erstes auffällt, ist der warme, satte, kräftige Ton, den Marianne Muller aus ihren beiden Gamben, die sie in dieser Aufnahme spielt, herausholt. Sie zügelt und zähmt diesen akustischen Honigfluss nur immer dann, wenn ihre Partnerin am Cembalo aus musikalischen Gründen den Vortritt haben sollte. Man muss zugeben: Das Cembalo, und sei es ein noch so prächtiges Instrument, offenbart im direkten Dialog mit einem so üppig und warm tönenden Streichinstrument durchaus klangliche Grenzen.
Das könnte einer der Gründe dafür sein, dass Lorenzo Ghielmi in der 2013 entstandenen Aufnahme mit seinem Bruder (passacaille), die sich zum Vergleich mit dieser Neuerscheinung anbietet, teilweise ein Silbermann-Fortepiano zum Begleiten verwendet hat; die dynamischen Möglichkeiten dieses Instruments regten seinen Bruder zu einem deutlich nervöseren, kleingliedrigeren Gambenspiel an. Was einem bei Vittorio Ghielmi dadurch an Fülle und Stringenz fehlte, das bietet Marianne Muller in der vorliegenden Einspielung mit großer Freigiebigkeit. Und was man bei Muller eventuell an musikalisch-„rhetorischer“ Differenziertheit vermissen könnte, das liefert Ghielmi. Beide Einspielungen ergänzen sich vor dem Ohr des Kenners dieser Stücke also optimal.
Als zusätzliches Bonbon hören wir von Muller und Lengellé auf dieser CD noch die Transkription der Violinsonate Nr. 6 (BWV 1019): eine gute Idee, dieses Stück mal in Tenorlage zu präsentieren; Übertragungen dieser Art entsprachen ja auch der gängigen Praxis der Barockzeit und belegen den freizügigen (wenngleich bei Bach niemals beliebigen) Umgang mit musikalischem Material.

Michael Wersin, 03.05.2014



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