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Henry Purcell, William Croft, John Blow, Pelham Humfrey

Harmonia sacra

Paul Agnew u.a., Les Arts Florissants, William Christie

Virgin Classics/EMI 395 144-2
(72 Min., 9/2006) 1 CD

Von Hause war die gebürtige Portugiesin Katharina von Braganza streng katholisch. Und nun heiratete sie im Mai 1662 mit Karl II. ausgerechnet einen englischen König, der sich eher der anglikanischen Glaubensrichtung verbunden fühlte. Katharina hinderte das aber zumindest in den eigenen vier Wänden nicht daran, sich für ihre gottesdienstliche Einkehr und private Andacht so manche Hymne aus der Feder der Musikgrößen ihrer Zeit komponieren zu lassen. Von Henry Purcell, aber auch von John Blow und den heute in Vergessenheit geratenen William Croft und Pelham Humfrey. Ob aber nun alle 16 Versvertonungen, die Dirigent William Christie für seine Neubeschäftigung mit der Blütezeit des englischen Barock ausgewählt hat, exklusiv für Katharina entstanden sind, mag man zwar bezweifeln. Dafür staunt man, wie die kammermusikalisch besetzten Lobpreisungen und Beichten so gar nicht den heiligen Liturgieton anstimmten, wie er allein jenseits des Kanals in Frankreich angeschlagen wurde.
Bis auf das lateinische und auf polyfonem Fundament stehende "Jehova, quam multi sunt hostes mei" von Purcell durchweht selbst so manchen Trauergesang ("In the midst of we are in death") und Abendgesang ("Close thine eyes and sleep secure") eine geradezu vokale Süße, wie sie in Purcells Musiktheaterschaffen allgegenwärtig ist. Und fast ein bisschen keck kommt "O all ye people, clap your hands" daher! Dagegen sorgt die Mischung aus pastoraler Leichtigkeit und aufgelockerter Dramatik dafür, dass aus dem Lautenlied "Peaceful is he, and most secure" von John Blow ein schlichtweg wunderbar fein schimmernder Diamant wird. Solche zeitlos wertvollen Momente sind aber einmal mehr dem elegant expressiven Gestaltungsvermögen geschuldet, mit dem Christie samt seiner Sängersolisten zu Werke geht. Natürlich untadelig stilkundig, leuchtet diese Form der authentischen Aufführungspraxis aus sich heraus. Und wie Stimmschönheit und beredte Transparenz nahezu in Deckungsgleichheit gebracht werden, ist bei solchen Christie-Gefährten wie Paul Agnew weniger eine Glaubensfrage als vielmehr eine Selbstverständlichkeit.

Guido Fischer, 23.11.2007



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