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Johann Sebastian Bach

Das wohltemperierte Klavier

Frédéric Desenclos

Alpha/Note 1 ALP819
(255 Min., 1998, 1999 & 2001) 4 CDs

Eingespielt schon zwischen 1998 und 2001 auf vier verschiedenen Orgeln, nun als Box wiederveröffentlicht: Frédéric Desenclos‘ interpretatorische Auseinandersetzung mit Bachs komplettem „Wohltemperierten Klavier“ liegt schon eine Weile zurück, hat aber an Aktualität sicher nichts verloren.
Grundsätzlich lässt sich gegen die Übertragung einer barocken Komposition von einem auf ein anderes Instrument nichts einwenden: Bei den Werken dieser Epoche spielt die musikalische Struktur eine zentrale Rolle, das Medium der Darbietung hingegen ist, ganz anders als schon wenig später in der Klassik, tendenziell von untergeordneter Bedeutung. Dennoch bringt der Wechsel vom Cembalo auf die Orgel eine wesentliche Veränderung mit sich, die für den Hörer auch in puncto Wahrnehmung der Strukturen essentiell ist: Auf der Orgel verklingen die Töne nicht, sondern sie bleiben mit unveränderter Stärke präsent, so lange der Spieler seinen Finger auf der Taste hat. Dieser Umstand führt schon im ersten Stück, dem bekannten C-Dur-Präludium, zu einem neuen Hörerlebnis, und er sorgt auch bei vielen anderen Stücken für ganz neue Einblicke auch in bereits vertraute Verläufe.
Freilich spielt Desenclos die Präludien und Fuge nicht etwa in antiquierter Legato-Manier, sondern er artikuliert historisch informiert sehr differenziert auf der Basis des Non-Legato-Spiels. Dies führt zu reizvollen Wechselwirkungen zwischen prägnanter akustischer Erscheinungsweise der melodischen Linien einerseits und der (von Orgel zu Orgel wechselnden) klerikalen Raumakustik andererseits. Fazit: Diese CDs vermitteln sehr eindrückliches, partiell neuartiges Erleben des „WK“ – sie sind darum sehr zu empfehlen.

Michael Wersin, 24.05.2014



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