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John Dowland, William Byrd, Thomas Campion u.a.

Lauten- und Consort-Songs

Julian Podger, Lee Santana, Sirius Viols

dhm/Sony 88883722822
(49 Min., 2/2013)

Eigentlich hätte man dem englischen Ultra-Melancholiker John Dowland schon 2013 mit Aufnahmen umfassend zum 450. Geburtstag gratulieren können. Doch scheinbar holen das jetzt viele Musiker nach. Darunter finden sich mit Lautenist Lee Santana und dem von Hille Perl angeführten Gambenquartett Sirius Viols bereits ausgewiesene Dowland-Fans. Nach der umwerfenden, geradezu unter die Haut gehenden Aufnahme „In Darkness Let Me Dwell“ mit Sopranistin Dorothee Mields haben Santana und Perl sich den englischen Tenor Julian Podger ausgesucht, um mit ihm Liebesgesänge in Vokal- und Instrumentalfassungen einzuspielen. Dazu gehören etwa Dowlands Hit „Can She Excuse My Wrongs“, das trauertrunkene „Weep You No More, Sad Fountains“ sowie das zwischen Hoffnung und Tristesse balancierende „If My Complaints”.
Nun gehört Podger nicht zu denjenigen, die in das Innerste der geschundenen Seele vordringen wollen. Stets bewahrt er eine gewisse Distanz, um auch den Reichtum einer musikalischen Sprache deutlich zu machen, die sich eben nicht nur im linear Nachdenklichen erschöpft. Podger bietet damit für alle auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Dowland-Bild, das in der letzten Zeit von weiblichen wie auch männlichen Hochtönern – also Countertenören – geprägt worden ist. Aber seine Ausdrucksintensität packt einen nach einer gewissen Eingewöhnungsphase umso nachhaltiger. Das gilt auch für die eingestreuten Songs von Dowland-Zeitgenossen wie Thomas Campion, Thomas Ford und Robert Johnson, die sich mit handverlesenen und erlesen gespielten Lauten- und Gambenstücken abwechseln.

Guido Fischer, 24.05.2014



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