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Georg Muffat

Missa in labore requies

St. Florianer Sängerknaben, Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor

Pan Classics/Note 1 PC 10301
(47 Min., 8/2013)

Die Betitelung einer Messe war seit der Renaissance eine beliebte Praxis. Meistens verwies der Komponist mit dem Titel in lateinischer, italienischer, französischer oder deutscher Sprache auf eine Parodievorlage in Form einer Choralmelodie bzw. eines präexistenten mehrstimmigen Stücks aus eigener oder fremder Feder. Im Falle von Georg Muffats „Missa in labore requies“ kann der Autor beim Hören keinen Cantus firmus ausmachen, aber der Beiname ist dennoch aussagekräftig: Er stammt aus dem Text der Pfingstsequenz „Veni Sancte Spiritus“ und bedeutet (bezogen auf den Heiligen Geist) „in der Arbeit (bist du) die Ruhe“.
Warum Muffat, in Salzburg Kollege von Heinrich Ignaz Franz Biber, seine einzige erhaltene Messe so benannte, lässt sich nicht ohne Quellenforschung ermitteln (eine Erstaufführung am Pfingstsonntag wäre denkbar), aber er lädt zum freien Assoziieren ein: Insgesamt 33 Personen arbeiten auf dieser CD durchaus inspiriert an der Verwirklichung dieser 24-stimmigen Partitur; sie gruppieren sich in zwei Vokal- und drei Instrumentalchöre und tragen jeder für sich, die meisten jeweils allein in einer Stimme, ein hohes Maß an Verantwortung. Dass trotz dieses aufwendigen Settings doch ein gehöriges Maß an Ruhe aus dieser umtriebigen Partitur spricht, scheint nicht zuletzt das Verdienst des Ensembleleiters Gunar Letzbor zu sein, der im Dom zu Gurk eine aufführungstechnisch praktikable und akustisch gut konservierbare Aufstellung für die Sänger und Instrumentalisten gefunden hat.
Gerade weil man so gut und differenziert hört, kann man aber auch nicht überhören, dass in puncto Intonation oftmals keine überzeugende Ruhe einkehrt: Nicht nur die St. Florianer Sängerknaben, sondern auch einige der erwachsenen Vokalisten agieren beim Setzen ihrer Töne nicht immer ganz trittsicher.
Der satten Akustik geschuldet ist wohl die angewandte extreme Non-Legato-Praxis vor allem auf vokaler Ebene; weil man jedoch die Stimmen tontechnisch sehr direkt abgenommen hat, ist gelegentlich ein staccatohaftes Buchstabieren das Ergebnis. Die beiden Mali wiegen schwer gegenüber dem Bonus der zupackend prachtvollen Klangentfaltung im Tutti; ganz glücklich lässt die an sich lobenswerte Einspielung dieses großartigen Stücks den Hörer also leider nicht werden.

Michael Wersin, 24.05.2014



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