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Touching Africa

Trio Ivoire

RISM/Al!ve 3002
(66 Min., 3/2005, 11/2005) 1 CD

"Wir sind das einzige Piano-Duo, das wie ein einziger Pianist klingt", sagte Paul Bley 1994 anlässlich seiner Zusammenarbeit mit Hans Lüdemann. Woraus sich schließen lässt: bei Lüdemann handelt es sich um einen Verschmelzungskünstler ersten Ranges. Diesen Eindruck bestätigt auch die zweite Einspielung seines 1999 unter dem Eindruck einer Westafrika-Tour gegründeten Trio Ivoire. In diesem Dreierbund, der aus dem in Hamburg geborenen Pianisten, dem von der Elfenbeinküste stammenden Balafon-Meister Aly Keita und dem in Paris lebenden Briten Steve Argüelles besteht, finden verschiedene Kulturen selbstbewusst zusammen.
Hier wird keine beliebige Ethno-Tütensuppe angerührt, sondern auf höchstem Niveau miteinander kommuniziert. Was daran liegt, dass Lüdemann (der auf "Touching Africa" auch mit ganz dezenten elektronischen Verfremdungen arbeitet) und Keita schlicht großartige Virtuosen auf ihren Instrumenten sind. Man muss nur hören, wie sich die beiden im Schluss-Vamp von Lüdemanns "Wenn Du weite Wege gehst" die Melodielinien wie Spielbälle zuwerfen. Man versteht sich telepathisch; da ist es vollkommen egal, dass der eine einen europäisch-klassischen und der andere einen westafrikanisch-jazzigen Hintergrund hat. Und wie die beiden im Verbund mit ihrem Drummer ständig organisch zwischen verschiedensten Taktarten hin- und herwechseln - das ist schon ziemlich verblüffend.
Eine neue Klangfarbe entsteht auf "Touching Africa", wenn der Gast Tata Dindin aus Gambia bei vier Stücken zu Lüdemann, Keita und Argüelles tritt. Dindin singt mit wunderheller Stimme und zupft dazu die Afro-Harfe Kora. Ganz merkwürdige Volkslieder kommen dabei heraus, die irgendwo zwischen bayerischer Zithermusik und schwarzafrikanischem Folklore-Pop anzusiedeln sind. Verwirrend. Man weiß gar nicht, ob man das schrecklich oder schön finden soll.

Josef Engels, 23.11.2007



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