Responsive image
Herbert Howells

Chormusik

Wells Cathedral Choir, Malcolm Archer

Helios/Note 1 CDH55456
(79 Min., 2005)

Man muss nicht einmal wissen, dass der britische Komponist Herbert Howells (1892 - 1983) seinen Sohn Michael im Alter von neun Jahren verloren hat, um den Beginn der „Sequence For St. Michael“ – zweimal rufen die Choristen in einen sich auftürmenden dissonanten Orgelakkord verzweifelt den Namen „Michael“ hinein – als sehr bewegend zu erleben. Howells‘ geistliche Chormusik für gemischten Chor und Orgel steht in der begeisternd reichen Tradition englischer Kathedralmusik, und sie wird auf dieser CD schlechthin perfekt dargeboten vom „Wells Cathedral Choir“ unter der Leitung von Malcolm Archer, der selbst ein bekannter Komponist solcher Musik ist.
Wir hören, getragen stets von Rupert Goughs farbenreichem Orgelspiel, schier endlos dahinschweifende Melodien und Harmoniefolgen, die sich mal zu dramatischer Kraft ballen und mal beinahe schwerelos durch den Kirchenraum schweben. Herbert Howells‘ sehr individuelle Harmonik evoziert stets eine fesselnde Ernsthaftigkeit des Ausdrucks – auch dann, wenn reiner Lobpreis angestimmt wird. Seine Melodik ist bisweilen geprägt von kirchentonalen Skalen. Zur großen Tradition der englischen Kathedralmusik gehört auch das traditionell höchst niveauvolle Chorsingen, wie wir es auf dieser CD antreffen: Laut Besetzungsliste ist der „Wells Cathedral Choir“ ein aus Knaben- und Mädchenstimmen plus mutierten Männern bestehendes Ensemble aus kaum mehr denn dreißig Personen. Vor dem Hintergrund dieser Information erstaunt die Reife und Fülle des Klangs noch mehr … Eine unbedingt hörenswerte CD.

Michael Wersin, 31.05.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top