Responsive image
Sergei Prokofjew

Klavierkonzerte 1-5

Jean-Efflam Bavouzet, BBC Philharmonic, Gianandrea Noseda

Chandos/Note 1 CHAN 10802
(120 Min., 6 & 11/2012, 8 & 9/2013) 2 CDs

Prokofjews fünf Klavierkonzerte sind gewaltige Brocken – so schwer und kräftezehrend, dass sie sogar dem äußerst geschickten Pianisten Prokofjew selbst gelegentlich erhebliche Mühe bereiteten: Bei der Uraufführung des „Zweiten“ im Jahre 1913 etwa brauchte er nach dem anstrengenden ersten Satz eine Pause; die Kadenz hatte er teilweise vergessen und musste improvisieren. Während der Revolution ging die Partitur verloren, und er komponierte das Werk aus dem Gedächtnis nach. Als er die neue Version 1924 unter Ansermet aufführte, ging ihm wohl einiges daneben: Er sprach hinterher in Bezug auf sein Spiel von einem „kompletten Skandal“.
Alles andere als ein Skandal ist die vorliegende Neueinspielung aller fünf Werke mit dem 1962 geborenen Franzosen Jean-Efflam Bavouzet am Tasteninstrument: Sein Spiel ist bei technischer Makellosigkeit gleichzeitig höchst beweglich und ungemein kraftvoll. Die von Prokofjew komponierten furchterregenden technischen Schwierigkeiten meistert er offenbar mit Links – wörtlich zu nehmen vor allem beim „Vierten“, das Prokofjew für den durch Kriegsverwundung einarmigen Paul Wittgenstein geschrieben hat. Bavouzets klarer, objektiver Tonfall passt hervorragend zur neoklassizistischen Stilistik der Stücke. Das BBC Philharmonic unter Gianandrea Noseda begleitet ihn mit wuchtigem, sattem Orchesterklang stets punktgenau und präzis. Eine einzige Freude für den Zuhörer ist daher diese Tour de force durch eine der anspruchsvollsten Klavierkonzert-Gruppen der Klaviermusik-Geschichte.

Michael Wersin, 07.06.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top