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Little Drop Of Poison

Rebekka Bakken, hr-Bigband

(61 Min.) Emarcy/Universal 3776824

Rebekka Bakken legte immer Wert darauf, dass sie keine Jazzsängerin im engeren Sinne sei. Und wie zum Beweis verabschiedete sie sich nach ihrem Bekanntwerden an der Seite des Gitarristen Wolfgang Muthspiel und der Pianistin Julia Hülsmann vor zehn Jahren zielgerichtet in die Singer/Songwriter-Schublade.
„Little Drop Of Poison“ markiert nun das ungewollte Comeback einer großen Jazz-Stimme. Und das liegt nicht nur daran, dass die Norwegerin auf der Einspielung als Frontfrau einer vorzüglichen Jazz-Großformation, der von Jörg-Achim Keller geleiteten hr-Bigband agiert. Es ist vielmehr so, dass sich Bakken den Songs mit Leib, Stimmbändern und Seele derart präzise und schonungslos verschreibt, wie man es etwa von Billie Holiday kennt. Was nicht wenig heißen will, schließlich handelt es sich bei den zu interpretierenden Stücken um die Moritaten, Huren-Lieder und Irrenhaus-Songs des Tom Waits.
Wer hätte das gedacht? Die blonde Skandinavierin Bakken ist das perfekte weibliche Gegenstück zum ewig heiseren Kunst-Landstreicher Waits. Kratzig, verlottert und verdorben bewegt sie sich durch „Downtown“, gepeinigt von unterdrücktem Wahnsinn gibt sie die Giftmischerin in „Little Drop Of Poison“, mit herbem White-Trash-Charme schreibt sie die „Christmas Card From A Hooker In Minneapolis“.
Äußerst bemerkenswert sind auch die Arrangements, die Keller der Bigband des Hessischen Rundfunks auf den Klangkörper geschrieben hat. Hier präsentiert sich kein an der Tradition klebender Swing-Dienstleister, sondern ein mit allen Facetten der Waitschen Halbwelten jonglierendes Orchester, das locker grinsend zwischen verstimmtem Western-Saloon-Piano, abgeschabtem Banjo, mitfühlenden Baritonsax-Solo und dämonisch polternder Bastelkeller-Klang-Installation hin- und herzuwechseln versteht. Davor kann Tom Waits nur seinen zerknitterten Hut ziehen.

Josef Engels, 14.06.2014



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