Responsive image
Joseph-Guy Ropartz

Die Sonaten, Teil 1

Nicolas Dautricourt, Juliette Hurel, Raphaёl Pidoux, Franҫois Kerdoncuff

timpani/Note 1 TIM1C1214
(68 Min., 9/2012 & 8/2013)

César Francks Errungenschaften auf dem Gebiet der Violinsonate betrachtet durch die Brille von Gabriel Fauré, gewürzt mit einer kräftigen Prise rauem bretonischem Charme – eine solche Charakterisierung der großen Sonate für Violine und Klavier von Joseph-Guy Ropartz (1864 - 1955) drängt sich in der ersten Begeisterung des Hörens auf, aber sie wäre dennoch ungerecht: Freilich zeichnet sich die Musik des in Guingamp geborenen Massenet- und Dubois-Schülers auch durch ganz originelle Nuancen aus. Wie auch immer: Auf jeden Fall macht es eine Menge Spaß, Ropartz‘ Klavierkammermusik – eine Flöten- und eine Cellosonate sind außerdem auf dieser CD enthalten – durch die hier aufgebotenen Künstler vermittelt zu bekommen.
Nicolas Dautricourts Violinspiel ist leuchtend und süffig im Klang; in puncto Vibrato ist er kein Kostverächter, aber das passt hervorragend zu der üppigen Musik. Franҫois Kerdoncuff begleitet ebenso aufmerksam und gewandt wie selbstbewusst: Die Eigenständigkeit des virtuosen Klavierparts bereitet ihm hörbar Vergnügen. Juliette Hurel produziert auf ihrer Flöte einen jungfräulich-reinen, höchst ästhetischen Klang, dessen leichte Sprödigkeit nur am Anfang ein wenig irritiert. Der Cellist Raphaёl Pidoux dagegen agiert wiederum mehr auf der satten und süffigen Seite, wie sie auf dieser CD auch von Nicolas Dautricourt vertreten wird; aber sein Cello-Timbre ist dabei niemals vordergründig auftrumpfend, sondern passt sich immer wieder perfekt den überraschenden Wendungen der Musik an: Gerade die Cellosonate wartet, indem sie am Ohr des begeisterten Hörers vorüberzieht, mit einem Kaleidoskop unterschiedlichster Gestimmtheiten auf, die keinen Kammermusikfreund kalt lassen können.

Michael Wersin, 14.06.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top