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Alive

Hiromi

Telarc/in-akustik 08035307
(74 Min., 2/2014)

Vor 11 Jahren betrat die zierliche Japanerin Hiromi wie eine Naturgewalt die Szene. Ein Wunderkind am Klavier, das mit typischer asiatischer Präzision über die Tasten fegte und ziemlich viele Freunde des Hochgeschwindigkeitsjazz à la Chick Corea sprachlos machte. Im Gegensatz zu anderen Frühvollendeten erlosch ihr Stern nicht so schnell, wie er aufgegangen war. Im Gegenteil: Mit Corea hat Hiromi inzwischen eine Duo-Platte eingespielt und mit zwei weiteren großen Namen aus dem Fusion-Bereich ein Trio geformt, das perfekt zu ihrer eigenwilligen Stil-Mixtur passt.
Während das unerschütterliche Understatement von Bassist Anthony Jackson für die Erdung von Hiromis hyperaktiven Piano-Linien sorgt, unterfüttert Schlagzeuger Simon Phillips die Trio-Stücke immer wieder mit aus dem Prog-Rock stammenden Perkussionsfiguren. Bestes Beispiel ist die frickelige Rimclick-Figur, die sich in der Nummer „Dreamer“ mit dem Groove der abgedämpften Klaviersaiten vermischt.
Gut, dass Hiromi bei der Aufnahme konsequent auf den Einsatz eines Synthesizers verzichtet. Sonst wäre die Gefahr ziemlich groß, sich in die geschmacklichen Untiefen der 70er Jahre zurückversetzt zu fühlen. Der Turbo-Eklektizismus der Japanerin hat weiter zurückreichende Quellen: Die Stride-Brillanz eines Art Tatum, die sie im zwischen Boogie Woogie, Coldplay und den Beatles schwankenden „Seeker“ zeigt, der Gospel-Touch eines Ahmad Jamal (zu hören in „Spirit“) oder die in „Player“ offenbarte swingende Rasanz eines Bud Powell.
Der chopineske, recht parfümierte Solo-Exkurs „Firefly“ ist da schon eine Frage des Geschmacks. Wie Hiromis blendende, aber auch auf die Dauer ermüdende Makellosigkeit ohnehin nicht jedermanns Sache sein dürfte.

Josef Engels, 28.06.2014



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