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Late Night Coffee

Kim Barth, Mike Mossman

Enja/Soulfood ENJ9599
(61 Min.)

Oh nein! Werden hier etwa schon wieder die Brasilianer auf ihrem ureigensten Gebiet von den Deutschen gedemütigt? Fakt ist jedenfalls, dass der deutsch-dänische Altsaxofonist Kim Barth und der bayerische Gitarrist Paulo Morello derart hohes Ansehen bei brasilianischen Sanges-Größen wie Johnny Alf oder Leny Andrade genießen, dass man gemeinsam als „Bossa Nova Legends“ im Studio und auf Tournee war. Und wenn zu diesen Spezialkräften dann auch noch eine Koryphäe wie der US-Trompeter Mike Mossman stößt, der mit Horace Silver arbeitete und erste Trompetenstimme des Lincoln Center Afro-Latin Jazz Orchestra ist, kann man sich durchaus auf einen erneuten WM-2014-Sturmlauf à la Belo Horizonte gefasst machen.
Das Titelstück „Late Night Coffee“, mit dem das Album auch beginnt, legt gleich ein Zeugnis dieses Offensivgeistes ab. Unterstützt von Morellos geschmeidiger Gitarre, E-Bass (Dudu Penz), Drums (Cliff Almond) und Congas (Heinrich Klingmann) lassen die Bläser Erinnerungen an die Brecker Brothers, Arturo Sandoval oder Dizzy Gillespie wach werden.
Und auch wenn auf der CD zuweilen kräftig in brasilianischen Gefilden gewildert wird – etwa mit der Lässigkeit eines Stan Getz in der Bossa Nova „Song For My Little Daughter“ oder im mit allen Regenwaldwassern gewaschenen Choro-Funk in „Partido Blue“ – so sei zur Ehrenrettung des Samba-Landes gesagt: Barth und Mossman bedienen sich bei ihrer Musik auf dem gesamten südamerikanischen Kontinent und seiner Anrainer-Regionen.
Bolero, Son montuno oder Cha-Cha fungieren bei ihnen als Grundlage für eine höchst virtuose Latin-Hardbop-Fusion, die immer mit mindestens einem Fuß in New York steht. Horace Silver und Ray Baretto, denen jeweils ein Song gewidmet ist, hätten zweifellos ihren Spaß an diesem panamerikanischen Mix gehabt.

Josef Engels, 26.07.2014



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