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Twist

Joscha Arnold Quintet

Double Moon/NAI DMCHR 71137
(62 Min., 7/2013)

Weilheim ist schon ein Phänomen: Gerade mal 20.000 Einwohner zählt der Ort in Oberbayern – und trotzdem produziert der Weiler musikalische Talente en masse. Nach Bands wie „The Notwist“ und „Tied & Tickled Trio“, Elektrofricklern wie „Console“ und Instrumentalisten wie Saxofonist Johannes Enders oder Gitarrist Max Frankl schickt sich nun der nächste Weilheimer an, weit über Oberbayern hinaus für Aufhorchen zu sorgen.
Der 1986 geborene Tenorsaxofonist Joscha Arnold ist nicht nur ein feinsinniger Improvisator, der mit beachtlicher Reife sämtliche der Musik nicht dienlichen Angeber-Effekte aus seinem Spiel verbannt hat, sondern zudem ein hervorragender Komponist.
Ein guter Beleg dafür ist die erste Nummer der Debüt-CD seines deutsch-schweizerischen Quintetts. „Bodyescape“ beginnt mit fein gewebten Klavier-Arpeggien des Pianisten Florian Favre, die von Sebastian Scheipers E-Gitarre mit gegenläufigen Linien beantwortet werden. Den Auftritt des Saxofons bekommt man zunächst gar nicht mit, weil es sich lange hinter dem gestrichenen Kontrabass (Yannick Tinguely) versteckt hält. Und dann ist es plötzlich da, spröde, still strahlend, wie ein Monolith, auf den man in finsterer Nacht plötzlich einen Scheinwerfer gerichtet hat.
Arnold weiß, wie man geschickt Spannung aufbaut. Davon künden Stücke wie das schleichende „(You’ve Got) Ventriloquists“ mit seiner ungewöhnlichen Akkordfolge, der Heimatlied-Walzer „Das Blaue Land“, der Weilheim ins staubige Herz Amerikas versetzt, oder das „Raumschiff“, in dem Saxofon und Gitarre gemeinsam ein hymnisches Thema anstimmen, wie man es unter anderem von Brian Blades „Fellowship“ kennt. Auch die Versatzstücke handelsüblicher Genre-Elemente wie Rock („Imperatrix“ mit Severins Rauch herrlich schepperndem Indie-Schlagzeug), Swing („Craft!“) und Latin („1954“) bearbeitet Arnold mit so viel Ernsthaftigkeit und eigenem Gestaltungswillen, dass einem nie langweilig wird.
„Dies ist intelligente, aufrichtige, von Herzen kommende Musik von heute“, schreibt Brad Mehldaus langjähriger Schlagzeuger Jorge Rossy in den Liner Notes. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Josef Engels, 09.08.2014



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