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Antoine Brumel, Clemens non Papa, Edvard Grieg, Louis Vierne u.a.

My Beloved’s Voice – Sacred Songs Of Love

The Choir of Jesus College Cambridge, Mark Williams

Signum/Note 1 SIGCD370
(64 Min., 7/2013) Signum/Note 1 SIGCD370

Fast ein Déjà-vu-Erlebnis: Im April hatten wir schon einmal ein Rezital eines College-Chores aus Cambridge (demjenigen des „Clare College“), das sich durch ausgezeichnete Stimmkultur und klangliche Homogenität auszeichnete, aber in puncto stilistische Differenzierung praktisch nichts zu bieten hatte. Nicht viel anders verhält es sich bei diesem Porträt des „Choir Of Jesus College Cambridge“: Man möchte niederknien vor Ehrfurcht angesichts der Tatsache, dass in der Chornation England auch heute noch in großer Zahl junge Leute heranwachsen, die sich während ihres Studiums mit großem Ernst und beachtlicher Stimmhygiene dem klassischen Chorgesang zu widmen bereit sind. Kopfschütteln evoziert allerdings immer wieder der Umstand, dass solches Potential nicht mit mehr Stilgefühl geformt wird.
Während etwa Duruflés „Ubi caritas“ auf dieser CD wirklich Freude macht und auch die typisch englischen Kathedral-Nummern von Robert Walker oder Howard Skempton in dieser Darbietung vollkommen befriedigen, verwundern die Renaissance-Motetten von Antoine Brumel, Clemens non Papa oder Martin de Rivafrecha – gesungen mit exakt derselben Weichzeichner-Stimmgebung – denjenigen Hörer, der solche Werke von (oftmals ebenfalls englischen) Alte-Musik-Ensembles kennt. Warum nur muss dieselbe süßliche John-Rutter-Soße unterschiedslos über die Chormusik sämtlicher Epochen gegossen werden? Für dieses verbreitete Nebeneinander von chorerzieherischer Umsicht und stilistischer Sorglosigkeit finden wir keine plausible Erklärung.

Michael Wersin, 16.08.2014



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