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Songs To The North Sky

Tim Garland

Edition Records/Soulfood EDN1051
(102 Min.) 2 CDs

Weites Meer und dunkle Wolken, Landschaftsglück und Seelenangst sowie die daraus resultierende Weltentrücktheit im Angesicht der Naturgewalten – das gibt es nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Nordengland, dessen schroffe Schönheit der Holzbläser und Komponist Tim Garland mit seinen Saxofonen und Klarinetten im Kontext zweier höchst unterschiedlicher Formationen auf dem Doppelalbum „Songs To The North Sky“ besingt.
Auf der ersten CD umgibt sich der Brite mit kleineren Besetzungen, deren Zentrum der Schlagzeuger Asaf Sirkis mit seinem unorthodox bestückten Trommel-Set darstellt und auf deren Klavierschemel abwechselnd Jason Rebello, John Turville und Geoffrey Keezer Platz nehmen. Zusammen mit Gitarrist Ant Law und E-Bassist Kevin Glasgow schlägt Garland da transatlantische Rockjazz-Brücken mit Pfeilern bei den Yellowjackets, Chick Corea, Oregon und Jan Garbarek.
Mit der Suite „Songs To The North Sky“ auf CD zwei erweitert der Brite den Klang-Horizont um eine sinfonische Dimension. Die Streicher der Royal Northern Sinfonia umspülen sein mal elegisches, mal athletisches Spiel auf Tenor- und Sopransaxofon wie die Brandungswogen der Nordsee; schwelgerisch beantwortet Geigen-Solistin Magdalena Filipczak die nordisch-keltischen Melodielinien des Saxofons.
Gleichwohl haben die programmmusikalischen Orchester-Impressionen vom Fluss Tyne und der Landschaft in Northcumberland durchaus Biss: Drummer Asaf Sirkis gibt auch hier der Unternehmung den rechten Wumms, Star-Gast John Patitucci kommentiert mit seinem Kontrabass das Geschehen in vier solistischen Interludes knurrig und fingerfertig flirrend. Ein großer Wurf, der Tim Garland auch in Mitteleuropa endlich die verdiente Anerkennung als eigenständiger europäischer Jazz-Pastelltonmaler einbringen sollte, die in den vergangenen Jahren fast immer nur den Skandinaviern zuteilwurde.

Josef Engels, 23.08.2014



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