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Bernd Alois Zimmermann

Modern Times („Alagoana“, Sinfonie in einem Satz, „Photoptosis“, „Stille und Umkehr“)

Karl-Heinz Steffens, Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

Capriccio/Naxos C5213
(69 Min., 1/2014)

„Gute Musik ist mir wichtiger als ´avantgardistische´“, lautete stets das Credo von Bernd Alois Zimmermann. Damit setzte er sich einerseits ab der Nachkriegszeit von den musikideologischen Dogmatikern ab, zu denen sein ebenfalls im Rheinland geborener Intimfeind Stockhausen gehörte. Dennoch schrieb er gerade mit seiner Oper „Die Soldaten“ sowie dem Oratorium „Requiem für einen jungen Dichter“ (1969) zwei wegweisende Klassiker der Avantgarde, die im großen Format auch von Zimmermanns musikalischen Collage-Künsten leben. Zimmermanns Rückgriffe aufs traditionsreiche Erbe der Klassik sowie etwa Zitate aus Jazz und Blues blitzen jetzt auch in den vier Orchesterwerken auf, mit denen die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und ihr Chefdirigent Karl-Heinz Steffens ein beeindruckendes Komponistenporträt gelungen ist.
Von den 1940er Jahren bis zu „Stille und Umkehr“, das 1970 und damit im Jahr von Zimmermanns Selbstmord entstand, reicht der Bogen der vier völlig unterschiedlichen Stücke. Die 1956 uraufgeführte, fünfsätzige Ballettsuite „Alagoana“ entpuppt sich als ein tolles und zugleich doppelbödiges Konglomerat aus südamerikanischer Weltmusik, Bigband-Pfeffer und allen erdenklichen Infusionen von Ravel, Strawinski und Milhaud. Die kurz zuvor geschriebene „Sinfonie in einem Satz“ ist da mit ihren heftigen Auswuchtungen und introvertiert beklemmenden Momenten nochmal aus ganz anderem Holz geschnitzt, ebenso wie die zwei Spätwerke „Photoptosis“ und eben „Stille und Umkehr“. Gespickt mit musikalischen Erinnerungsfetzen, die bis zu Bach und Beethovens 9. Sinfonie zurückreichen, bäumt sich „Photoptosis“ zu einer irrwitzig übergroßen Klangskulptur auf. In einem Zustand des Abschieds verharrt dagegen das knapp zehnminütige „Stille und Umkehr“. Und auch dieses brüchige Klangfeld erkunden die Musiker derart konzentriert und spieltechnisch beeindruckend, als ob man solche anspruchsvollen Neue Musik-Statements nahezu jeden Tag spielen würde. Tatsächlich hat sich vielmehr das Orchester dank Karl-Heinz Steffens zu einem erstklassigen Allround-Klangkörper mit dem entsprechenden Gespür für die Moderne entwickelt.

Guido Fischer, 30.08.2014



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