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Ferruccio Busoni, Richard Strauss

Violinkonzerte u.a.

Tanja Becker-Bender, BBC Scottish Symphony Orchestra, Garry Walker

Hyperion/Note 1 CDA68044
(63 Min., 6/2013)

Mit seinen dezenten Paukensignalen und verwunschenen Holzbläserkantilenen beginnt das Violinkonzert von Ferruccio Busoni und ruft sofort von Entfernung ein großes Geschwisterwerk in Erinnerung. Es ist das Beethoven-Konzert, das bekanntermaßen ebenfalls in D-Dur steht. Und wenngleich sich Busoni im Laufe des dreisätzigen Werks unüberhörbar bemüht, nicht allzu sehr ins Fahrwasser des Kollegen zu geraten, lässt er sich doch schon mal treiben und greift klangsprachlich auf Beethoven und bisweilen auch auf das Violinkonzert (ebenfalls in D-Dur!) von Brahms zurück. Das 1897 vollendete und noch im selben Jahr von Dirigent Busoni, Solist Henri Petri und den Berliner Philharmonikern erfolgreich uraufgeführte Werk op. 35a hat allerdings weiterhin nicht den Sprung ins Repertoire geschafft.
Trotzdem gibt es immer wieder unermüdliche Busonianer, die sich mit höchstem Engagement für dieses unbedingt hörenswerte, weil rhythmisch vitale und melodienselige Stück einsetzen. Nach Frank Peter Zimmermanns Top-Aufnahme, die auch schon zehn Jahre zurückliegt, hat sich jetzt Tanja Becker-Bender mit Schmiss und Feeling dem Konzert angenommen. Und auch wenn so manche Bravourfloskeln verraten, dass der Komponist leicht verspätet aufs klassisch-romantische Pferd gesetzt hat, garantiert Becker-Bender zusammen mit dem von Garry Walker geleiteten BBC Scottish Symphony Orchestra ein reizvolles Vergnügen. Als magisch dahinströmende Zugabe bietet man in einer Weltersteinspielung außerdem das von Busoni für Violine und Orchester eingerichtete „Benedictus“ aus Beethovens „Missa solemnis“. Und dieses neunminütige Arrangement besitzt doch tatsächlich unter dem Strich mehr Substanz als das zweite Hauptwerk dieser Aufnahme. Es ist das Violinkonzert d-Moll op. 8 des 17-jährigen Richard Strauss, das handwerklich ordentlich gemacht ist. Und auch die hymnisch-dunkle Einleitung muss einem erst einmal einfallen. Dennoch ist Strauss hier noch meilenweit entfernt von seiner späteren wahren Könnerschaft.

Guido Fischer, 30.08.2014



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