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Gustav Mahler

The Music Of Gustav Mahler, Issued 78s, 1903-1940

Heinrich Rehkemper, Willem Mengelberg, Jascha Horenstein, Elizabeth Schumann, Bruno Walter, Leo Taubman u.a.

Alto/Note 1 UAV5980
(480 Min., 1903-1940) 8 CDs

Gustav Mahler selbst hat (abgesehen von einigen Klavier-Rollen) keinerlei Aufnahmen seiner Werke eingespielt; das ist bedauerlich, denn die technischen Mittel dazu hätte es zu seinen Lebzeiten schon gegeben. Aber es blieb dennoch eine Menge von Mahler-Tondokumenten aus der Zeit bis 1940 erhalten, an denen teilweise Interpreten beteiligt sind, die noch Verbindung zu Mahler hatten. Dazu zählt etwa Oscar Frieds Einspielung der „Zweiten“ von 1924, übrigens die erste Aufnahme einer Mahler-Sinfonie überhaupt: Fried hat das Stück mit Mahler selbst gründlichst besprochen und daraufhin seine Interpretation fundamental verändert.
Aber auch wer nicht mit Mahler selbst gearbeitet hat, war in jenen Jahren doch möglicherweise direkter Zeuge einer Tradition, die sehr nahe an Mahler und seinen engen Vertrauten orientiert war. Die „Kindertotenlieder“ in der Darbietung von Heinrich Rehkemper unter Leitung von Jascha Horenstein (1928) sind ein Beispiel für das glückliche Zusammenwirken zweier brillanter Künstler, von denen der eine (Horenstein) eine umfassende Mahler-Erfahrung auch mit dem sinfonischen Werk, der andere eine außerordentliche textlich-musikalische Gestaltungsintensität mit sich bringt.
Auf den acht CDs dieser Box gibt es eine Menge solcher Schätze zu entdecken: die frühen Liedaufnahmen der Sopranistin Grete Stückgold etwa oder das kuriose „Lied von der Erde“-Potpourri des Dol-Dauber-Kammerorchesters. Viele dieser Tracks sind schon anderswo veröffentlicht, aber in dieser Fülle auf so engem Raum wird man sie nirgends bekommen. Außerdem wird der interessierte Hörer durch einen ca. 50-seitigen (!), liebevoll recherchierten Einführungstext begleitet, der u.a. eine Menge biografisches Material zu den zahlreichen Künstlerpersönlichkeiten bereitstellt. Wir halten insgesamt also das exakte Gegenteil einer billig zusammengehauenen Reproduktion historischen Materials in Händen. Diese Box hat den Stellenwert einer fundierten Dokumentation, die – zum Thema Mahler – ihresgleichen sicher vergeblich sucht.

Michael Wersin, 30.08.2014



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