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Hector Berlioz

Marche hongroise, Symphonie fantastique

Hansjörg Albrecht

Oehms/Naxos OC692
(60 Min., 3 & 4/2014) SACD

Der amerikanische Organist Cameron Carpenter hat einmal ein grundlegendes Imageproblem seines Instruments wie folgt beschrieben: „Wir haben zu lange die Gewalttätigkeit der Orgel ignoriert, die Sexualität und die Sinnlichkeit! Dieses alles verschlingende Feuer.“ Carpenter hat daraufhin neben Worten auch Taten folgen lassen: „Die Überladenheit, die Banalitäten, die Seichtigkeit, das wird alles plötzlich weggefegt mit einer ekstatischen Attacke!“ Diese Zeilen kommen einem immer wieder in den Sinn, wenn man Hansjörg Albrechts Einspielung von Berlioz´ „Symphonie fantastique“ in einer Orgelfassung auch zum dritten und vierten Mal hört. Denn alles, was der Kollege eingefordert hat, scheint entweder irgendwo auf dem Weg vom Mikrofon ins Presswerk verloren gegangen zu sein. Oder der Italiener Andrea Trovato hat tatsächlich bei seinem Arrangement der kompletten Partitur das gesamte Herz rausgerissen. Selten hat man dieses Instrumentaldrama in fünf Akten so handzahm und harmlos, ohne Anflüge von Besessenheit und Exzessivität, ja unter dem Strich geradezu bieder gehört. Kein Wunder, dass einem selbst bei der „Ball“-Szene die Füße einschlafen. Und wenn der „Hexensabbat“ schon auf der Orgel, dann bitte doch mit einem Schuss Klaus Kinski-Dämonie. Aber auch hier erweist sich die Goll-Konzertorgel im Kultur- und Kongresszentrum Luzern als ein wenig gleichwertiger Partner von Hansjörg Albrecht und damit eines Organisten, der schon bei anderen Gelegenheiten und Transkriptionsprojekten bewiesen hat, was für ein überwältigender Pyrotechniker er auf der Orgel sein kann. Vielleicht macht sich irgendwann Mister Carpenter an Monsieur Berlioz. Und dann aber …

Guido Fischer, 20.09.2014



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