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Inevitable Western

The Bad Plus

OKeh/Sony 88843024062
(51 Min., 1/2014)

Igor Strawinski ist der neue Kurt Cobain. Zumindest gilt das für das US-amerikanische Piano-Trio „The Bad Plus“, das für den Vorgänger von „Inevitable Western“ seine berühmten eckigen Pop-Song-Bearbeitungen ausnahmsweise mal sein ließ und sich stattdessen behutsam über „Le sacre du printemps“ hermachte. Die Beschäftigung mit der europäischen Klassik hallt bei Pianist Ethan Iverson, Bassist Reid Anderson und Schlagzeuger David King immer noch nach.
Etwa im Eröffnungsstück der neuen, inzwischen zehnten CD des Trios, die mit agogischen Verschleppungen und Verschleifungen arbeitet und pianistisch eher an Robert Schumann als an Nirvana erinnert. „You Will Lose All Fear“ hingegen klingt stellenweise so, als habe man Richard Clayderman irgendetwas in den Tee geschüttet, bei „Self Serve“ nimmt sich das einzelne, am Anfang wiederholt angeschlagene Bb vom Klavier wie die Persiflage eines Stimmtons in einer Orchesterprobe aus.
Nach verschiedenen, rhythmisch kurvenreich krummen Ausflügen in Richtung Urzeit-Rock-'n'-Roll („Epistolary Echoes“), Stadion-Rock („Gold Prisms Incorporated“) und Disco („Mr. Now“) begeben sich Iverson, Anderson und King mit „Adopted Highway“ auf eine unheimliche neunminütige Tour in ein ähnlich unbekanntes, tonal schummriges Terrain wie das Esbjörn Svensson Trio seinerzeit auf „Leucocyte“. „Inevitable Western“, die erste Einspielung von „The Bad Plus“ ohne eine einzige Coverversion zeigt: Die drei Herren können auch mit ihrem eigenen Material die Erwartungen des Hörers prächtig unterlaufen.

Josef Engels, 20.09.2014



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