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Kid Icarus

Tim Allhoff Trio

Care/Edel EAN 0209182GLA
(62 Min., 9/2013)

Wer heutzutage ein Piano-Trio im Jazz betreibt, hat es schwer, wiedererkennbar zu bleiben. Zwangsläufig stellt sich bei der dritten Einspielung des seit 2008 bestehenden Dreierbundes um den Augsburger Pianisten Tim Allhoff öfters mal ein Déjà-écouté-Gefühl ein: Die poppige, mit treibenden Achteln unterfütterte Melancholie im Titelstück „Kid Icarus“ erinnert an den Konkurrenzanbieter Tingvall Trio, das Liebäugeln mit Drum&Bass-Figuren (etwa in „Los Pollos Hermanos“) weckt Erinnerungen an das Trio Elf, der Einsatz von Retro-Synthesizern als Geschmacksverstärker schließlich lässt an Jacob Karlzon denken.
Allhoffs Trio hat freilich markante Eigenheiten: So ist auf „Kid Icarus“ nicht der Band-Namensgeber die auffälligste Figur des Ensembles, sondern Schlagzeuger Bastian Jütte. Mit seinem knochentrockenen Spiel, das sich aus allen erdenklichen Groove-Darreichungsformen ab 1970 speist, sorgt er für einen großen rhythmischen Variantenreichtum. Gutes Beispiel dafür ist der Album-Opener „Through The Looking Glass“, in dem Jütte unter Allhoffs elegisches, hörbar klassisch geschultes Klavier und Andreas Kurz' unbeirrbaren Bass eine ganze Reihe von verschiedenen Begleitmustern legt. Das reicht von einem pulsierenden Rock-Beat über einen angedeuteten Reggae bis hin zum Uptime-Swing und klingt dennoch ganz organisch und stimmig.
Ein weiteres wichtiges Erkennungsmerkmal des Tim Allhoff Trios ist der feine Humor: Kenner der US-Reihe „Breaking Bad“ jedenfalls dürften ihren Spaß daran haben, dass sich das Thema des Stück „Los Pollos Hermanos“ so anhört, als habe es der grimmige Schlaganfall-Onkel Hector Salamanca auf seiner Klingel gespielt. Aber auch ausgewiesene Serien-Muffel dürften ihren Spaß an der Musik von Allhoff und seinen Kumpanen haben. Eine Absturzgefahr, wie sie der CD-Titel andeutet, besteht nicht.

Josef Engels, 11.10.2014



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