Gerade einmal fünf Monate ist es her, dass mit dem "Siroe" der letztjährige Beitrag der Göttinger Händel-Festspiele auf CD erschienen ist, da liegt schon die 2014er-Oper als Mitschnitt vor. Der 1738 uraufgeführte "Faramondo" zeichnet sich durch eine selbst für Barockverhältnisse extrem verstiegene Handlung und sehr großzügige musikalische Anleihen bei Francesco Gasparinis älterer Version des Stoffes aus. Gab es bei "Siroe" die eklatante Fehlbesetzung der Titelpartie zu beklagen, die den ansonsten positiven Gesamteindruck ruinierte, darf man sich dieses Mal an einem tollen Abend (mit nur einem Schwachpunkt) erfreuen.
Emily Fons bringt für den Faramondo nicht nur ein flirrendes, attraktives Timbre, sondern auch den nötigen Aplomb mit, um die männliche Hauptrolle auszufüllen. Die angebetete Rosimonda findet in Anna Starushkevych eine im ersten Akt noch etwas zurückhaltende Interpretin, die im weiteren Verlauf dann aber zulegt. Das Duett der beiden am Ende des zweiten Aktes ist einer der Höhepunkte der Aufführung. Übertrumpft wird die Ukrainerin allerdings von ihrer irischen Namenskollegin Anna Devin, die eine fulminante, höchst agile Clotilde beisteuert. Natürlich gehören zu einer ordentlichen Barockoper auch Countertenöre, hier sind es zwei: Christopher Lowrey, ein wirklich fähiger und technisch versierter Sänger, für den der Gernando aber ungünstig – weil über weite Strecken im Passagiobereich – liegt, und Maarten Engeltjes, dem man einerseits mehr vokales Selbstbewusstsein wünscht, der andererseits aber mit seiner kontrollierten Zurückhaltung gut beraten ist. Für den schon erwähnten Schwachpunkt zeichnet der unausgeglichene Njål Sparbo als Faramondos Gegenspieler Gustavo verantwortlich. Laurence Cummings sorgt mit dem FestspielOrchester Göttingen für lebendiges, nuancenreiches Spiel.

Michael Blümke, 18.10.2014



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