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Gabriel Fauré, Johannes Brahms, Claude Debussy, Arthur Honegger

Hommage à Maurice Maréchal

Alain Meunier, Anne Le Bozec

Hortus/harmonia mundi HOR703
(60 Min., 7/2013)

In der Reihe „Les Musiciens et la Grande Guerre“, die anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsbeginns 1914 musikalische Denkwürdigkeiten aus dem Umfeld des Ersten Weltkriegs zum Hörerlebnis machen will, erschien die vorliegende Folge als Hommage an den französischen Cellisten Maurice Maréchal (1892-1964). Maréchal bekam als Frontsoldat von seinen Kameraden aus Munitionskisten ein Cello gebaut, das er dann auch vor Ort spielte. Sein späterer Schüler Alain Meunier, der Solist dieser CD, beäugte als Kind mit neugierigen Augen ein eigenartig aussehendes Instrument in der Pariser Wohnung des alten Maréchal, wohin man ihn 1953 zu Unterrichtszwecken brachte. Er fand bald darauf heraus, dass dieses merkwürdige Cello „Le Poilu“ (umgangssprachlich für „Frontsoldat“) war: Es hatte diese Kriegsjahre überdauert und wurde später vom Meister gehegt. Als Instrument für die vorliegende Aufnahme – so bedauert Meunier im Beiheft – konnte das gute Stück allerdings nicht mehr dienen, weil es mittlerweile in allzu schlechtem Zustand ist.
So beschert uns Alain Meunier mit seiner Begleiterin Anne Le Bozec auf einem „normalen“ Cello ein Programm aus Werken, die mit dem Meister Maréchal und seinen Unterrichtserfahrungen bei ihm zu tun haben. Eine sehr schöne Idee – indes überzeugt die CD musikalisch nicht wirklich: Als habe die Ehrfurcht ihn gehemmt, buchstabiert Meunier schon die „Élégie“ von Fauré mehr als dass er sie zelebriert – wie kann man aus diesen herrlichen Kantilenen so wenig machen! Das Vibrato ist merkwürdig unstet, Glissandi gelangen nicht zu einer glücklichen Landung auf dem Zielton … Spätestens in der e-Moll-Sonate von Brahms erleben wir auch eine betrübliche Eindimensionalität in der Klavierbegleitung Anne Le Bozecs, die sich bis zum Ende des Programms fortsetzt: Wieviel mehr Zauber könnte etwa die herrliche erste Cellosonate von Debussy haben! Stattdessen hört man über weite Strecken unsicheres Vorantasten. Die Maréchal-Story ist ein hervorragender Grund, all diese Stücke in ein Programm zu fassen, aber wenn sie nicht gut gespielt werden, verpufft natürlich auch das Gesamtkonzept.

Michael Wersin, 18.10.2014



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