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Galina Ustvolskaja

Violinsonate, Klarinettentrio, Duett

Patricia Kopatchinskaja, Markus Hinterhäuser, Reto Bieri

ECM/Universal 002894810883
(68 Min., 3/2013)

Zu ihren Lebzeiten galt Galina Ustvolskaja als die wohl unbekannteste Grande Dame der russischen Moderne. Und auch nach ihrem Tod 2006 war ihr Name nur intimen Kennern der Neuen Musik-Szene ein Begriff. Dabei besaß die Schülerin von Dmitri Schostakowitsch eine Klangsprache, die sich zwischen den Extremen, zwischen dissonanter Spröde und spiritueller Versunkenheit, zwischen reduzierter Archaik und schockierendem Espressivo bewegte und sich damit in keine Schublade stecken ließ. Nun hat Ustvolskaja selber einmal von ihrer Kammermusik gesagt, dass sie auf keinem Fall Kammermusik sei, da es bei ihr ausschließlich um große, weite Klangräume gegangen wäre. Trotz ihres Vetos lassen sich aber auch die drei jetzt eingespielten Werke ohne Zögern als kammermusikalischer Seelen-Seismograph bezeichnen.
Von einem manischen Grundrhythmus infiziert ist die einsätzige, äußerst spröde und grüblerisch gehaltene Violinsonate (1952). Das dreisätzige Trio für Klarinette, Violine und Klavier aus dem Jahr 1949 besitzt mit seinem geheimnisvoll schattenhaften, radikal ausgedörrten Innenleben eine verblüffende Verwandtschaft zu dem Ultra-Minimalismus des Amerikaners Morton Feldman. Und auch im Duett für Violine und Klavier (1964) ist Ustvolskaja keinen Millimeter von ihrer kompromisslosen Haltung abgerückt, bewegen sich einzelne Töne und heftig zuckende und pendelnde Akkorde wie unheimliche Körper durch dunkle Räume. Diese Radikalität der nur selten zu hörenden Stücke muss man sich selbst als Hörer erst einmal erarbeiten. Doch mit Patricia Kopatchinskaja (Violine), Reto Bieri (Klarinette) und Pianist Markus Hinterhäuser haben sich drei Musiker zusammengefunden, die genau wissen, wie man sich in solchen schonungs- und schmucklosen Klangräumen bewegen muss.

Guido Fischer, 25.10.2014



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