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Pietro Baldassari, Attilio Ariosti, Johann Joseph Fux, Giovanni Battista Bononcini

Vienna 1709 (Opernarien für Sopran und Viola da gamba)

Hana Blažíková, Ensemble Tourdillon, Petr Wagner

Accent/Note 1 ACC 24284
(58 Min., 2 & 11/2013)

Das Staunen ist vielleicht die stärkste derjenigen Regungen, die den Hörer beim Erleben dieser Musik begleiten: Man staunt über die stille Schönheit der Opernarien von Baldassari, Ariosti, Bononcini und Fux, über ihre edle Harmonik und Melodik. Man staunt darüber, dass sich aus der Zeit um 1709 im Umkreis der Wiener Opernszene noch so viele Arien mit obligaten Gamben – oft sind es zwei – finden lassen. Man staunt erneut auch über die herrliche Klangfarbe dieser Instrumente.
Und man staunt natürlich über den Gesang von Hana Blažíková: Die tschechische Sopranistin, die in ihrer Freizeit auch in einer Prager Punkband E-Bass spielt, wartet mit einer schlechthin perfekten Performance auf. Ihre Stimmproduktion funktioniert vollkommen störungsfrei und beeindruckt durch schier grenzenlose Geschmeidigkeit. Mit der Art ihres Barockgesangs knüpft sie da an, wo diese Kunst vor einigen Jahrzehnten begann – bei Emma Kirkby und ihrem Umfeld. Zwar ist ihre Stimme weniger hell und schwerelos als die der Engländerin, aber Blažíková singt ebenso vibratoarm wie Kirkby und ähnlich obertonreich; die größere Fülle ihres Materials ist dadurch bedingt, dass sie ihre Stimme körperhafter führt als Emma Kirkby. Dies alles ist ungeheuer wohltuend in einer Zeit, in der selbst die einstigen „Chefdirigenten“ der historisierenden Aufführungspraxis längst faule Kompromisse machen: Sie setzen oft Sänger ein, die vielleicht auch ein bisschen auf Barock machen, aber eben nicht mehr jene schnörkelfreie Reinheit des Gesangs, wie sie auf dieser CD zu hören ist, bieten können. Dafür ist Hana Blažíková ein Garant: Wo Blažíková draufsteht, ist wunderbarer Barockgesang drin.

Michael Wersin, 01.11.2014



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