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Johann Sebastian Bach

Köthener Trauermusik

Sabine Devieilhe, Damien Guillon, Thomas Hobbs, Christian Immler, Ensemble Pygmalion, Raphaël Pichon

harmonia mundi HMC 902211
(74 Min., 5/2014)

Am 19. November 1728 war Bachs alter Dienstherr Leopold von Anhalt-Köthen verstorben. Doch erst vier Monate später wurde die Trauerfeier und Beisetzung anberaumt. Immerhin ist verbrieft, dass dafür die Kirche dramatisch mit schwarzem Tuch ausgeschlagen wurde. Und man weiß auch, dass Bachs Gattin Maria Magdalena bei der eigens für diesen Anlass komponierten Trauerkantate gesungen hat. Unter der Werkverzeichnisnummer 244a ist dieses Werk in die Bachforschung eingegangen. Trotzdem war es bis vor kurzem völlig unbekannt. Denn während das Textbuch dieser „Köthener Trauermusik“ überlebt hat, sind die Noten verlorengegangen. Erstaunlicherweise reizte es aber eben erst in letzter Zeit die neugierigen Vertreter der historischen Aufführungspraxis, das Original anhand der erstaunlich bekannten Liedtexte zu rekonstruieren. Immerhin steht fest, dass Bach für das Auftragswerk bekannte Arien und Chöre aus seiner „Matthäuspassion“ und einer weiteren, 1722 geschriebenen „Trauerode“ recycelt hat.
Im Auftrag des französischen Alte Musik-Spezialisten Raphaël Pichon hat sich der Musikwissenschaftler Morgan Jourdain an die Arbeit gemacht und eine Fassung erstellt, die trotz einiger verbliebener Fragezeichen mehr als nur hörenswert ist. Denn was den empfindsamen und erhabenen, den schwebenden und überhaupt traumwandlerisch klangschönen Zugriff angeht, mit dem sich Pichon, sein Ensemble Pygmalion und ein exquisites Sängerquartett für diese musikhistorische Annäherung einsetzen, kann man nur zu einem Schluss kommen: Genau so muss es im März 1729 in der Köthener Jakobikirche geklungen haben.

Guido Fischer, 15.11.2014



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