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Jan Pieterszoon Sweelinck

Cembalowerke

Sébastien Wonner

K 617/Note 1 K617247
(75 Min., 8/2013)

Ab Ende des 16. Jahrhunderts war die Oude Kerk in Amsterdam ein regelrechter Pilgerort, denn hier wirkte mit Jan Pieterszoon Sweelinck einer der berühmtesten Organisten seiner Zeit. So rühmten sich etwa Samuel Scheidt und Heinrich Scheidemann, seine Schüler gewesen zu sein. Zudem standen englische Virginal-Komponisten wie John Bull und Peter Philips mit ihm im regen Austausch. Dass es Sweelinck aber nie an Weltoffenheit gemangelt hat, unterstreichen auch viele der vom französischen Cembalisten Sébastien Wonner ausgewählten Werke. Da wechselt sich eine vollgriffige „Pavane Hispanica“ mit einer Bearbeitung von Dowlands berühmtem „Flow, My Tears“ ab (bei Sweelinck heißt dieser Song „Paduana Lachrymae“). Und Sweelincks Variationskunst kann man immer wieder auch anhand des deutschen Volkslieds „Mein junges Leben hat ein End´“ bestaunen.
Bis heute ist seine Tastenmusik – ob sie nun für die Orgel oder doch fürs Cembalo geschrieben wurde – eine wahre Fundgrube für all diejenigen geblieben, die sich von einer gehaltvollen, facettenreichen, nie aber aus dem Ruder laufenden Klangsprache an die Hand nehmen lassen wollen. Trotzdem besitzt diese Musik mit ihrer geistigen Frische, ihrem Humor und ihrer Empfindsamkeit weiterhin nicht die Popularität, die ihr gebührt. Somit ist man schon froh, wenn zumindest alle paar Jahre ein mehr als nur geglücktes Sweelinck-Lebenszeichen veröffentlicht wird. Das letzte Mal war dies der rumänischen Cembalistin Alina Rotaru 2010 mit ihrem Programm „Fortune My Foe“ gelungen. Was ihre anregende wie fesselnde Sicht auf diese wertvollen Stücke angeht, steht ihr Sébastien Wonner in nichts nach. Bei ihm kommt jedoch auf der beeindruckend klangvollen Kopie eines Ruckers-Cembalos von 1612 noch eine Natürlichkeit im Ausdruck hinzu, aus der sich eines besonders schließen lässt: Wonner hatte einfach große Lust, diese Musik meisterhaft zu spielen.

Guido Fischer, 15.11.2014



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