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Hugo Wolf

Lieder

Markus Flaig, Jörg Schweinbenz

Spektral/Note 1 SRL413117
(76 Min., 4/2013)

Mit bemerkens-, ja bewundernswerter technischer Sicherheit steuert Markus Flaig seinen angenehm sonoren Bassbariton durch die teils kapriziösen Kantilenen einiger Mörike-, Goethe-, Heyse- und Geibel-Lieder sowie der Michelangelo-Gesänge Hugo Wolfs. Virtuos am Klavier begleitet – und zwar nicht an irgendeinem, sondern an einem von Wolf selbst gelegentlich bespielten Bechsteinflügel – wird er von Jörg Schweinbenz. Der Pianist ist übrigens selbst ein beachtlich begabter Sänger: Ein Fundraising-Videoclip anlässlich der Spendensuche für dieses CD-Projekt, auf dem Schweinbenz sein Anliegen stimmgewaltig als Ein-Mann-Improvisation im Stile Hugo Wolfs vorträgt, fand der beeindruckte Rezensent zufällig bei Youtube.
Konzeptuell großartig ist im Übrigen auch die Idee, das herrliche Liedrepertoire dieses Rezitals durch den Vortrag von Briefstellen zu ergänzen. Markus Flaig präsentiert sich hierbei am Schluss der vorliegenden CD als kreativer Briefstellen-Leser – und fördert gerade damit gleichzeitig Wünsche zutage, die beim Hören des Programms offen bleiben: Flaigs unbestreitbare singtechnische Souveränität geht leider einher mit einem Mangel an textlich-musikalischer Ausdrucksvariabilität und farblicher Vielfalt. Vergleicht man seinen Wolf-Vortrag mit den entsprechenden, mittlerweile historischen Leistungen zweier so unterschiedlicher Sänger wie Dietrich Fischer-Dieskau (und zwar sowohl dem jungen mit Gerald Moore als auch dem alten mit Hartmut Höll am Klavier) und mit Hermann Prey, dann muss man leider konstatieren, dass Flaigs sängerdarstellerischer Mut in puncto Einsatz unterschiedlicher klanglicher Nuancen in Verbindung mit sprachgeneriertem Witz recht begrenzt ist. Sein kernig-resonanzreiches Material verführt ihn zu einem in der Verbindung der Töne und Silben oft druckvoll intensivem Legato als vokale „Haupt-Fortbewegungsart“; rhetorisch inspirierte Ausflüge sowohl auf humoristisches wie auch auf dramatisches Terrain, die den geschützten Rahmen des zweifelsohne sehr gepflegten Wohlklangs auch nur gelegentlich in Frage stellen, bleiben leider aus. Angesichts der umfassenden Inspiriertheit des gesamten Projekts ist das hochbedauerlich!

Michael Wersin, 15.11.2014



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