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Johann Sebastian Bach

Messe h-Moll

Arcangelo, Jonathan Cohen

Hyperion/Note 1 CDA68051
(114 Min., 10/2013)

Achtung: Das Permanent-Legato ist zurück. Und mit ihm auch das Tremolo. Die H-Moll-Messe des Ensembles „Arcangelo“, geleitet von seinem künstlerischen Leiter Jonathan Cohen (der immerhin auch „Les Arts Florissants“ dirigiert), führt zurück in die Sphären einer Aufführungspraxis, die man wohl eher in den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verorten würde. In einer einzigartig schrecklichen Kombination von historischer Instrumental- sowie Sängerbesetzung – letztere mit Countertenören und nur vier Sänger pro Stimme umfassend – und konventioneller Musizierweise führt Cohen vor, wie man mit einem der aufregendsten Werke der Musikgeschichte den Hörer zum Einschlafen bringen kann. Mit einer statischen Klangwand ohne die geringste Spur von Messa di voce beginnt schon die „Kyrie“-Einleitung, äußerst zweifelhaft „verlebendigt“ nur durch uneinheitlich tremolierende Choristinnen in den aufsteigenden Dreiklangsbewegungen. Ebenso statisch geht es in der anschließenden Fuge weiter: Die „handpicked“ Chorsänger mit ihrer „dazzling technical ability“ (so das Programmheft vollmundig) pflügen ebenso ausdrucksarm wie die Instrumentalisten in ermüdendem Dauerlegato bei Schneckentempo durch die eigentlich doch so fesselnden Kantilenen. Lediglich beim Auftreten von Seufzermotivik wird hin und wieder ein Hauch von rhetorischer Ausdruckswilligkeit erahnbar. Die „Et in terra pax“-Fuge im „Gloria“ kommt ebenso zombiehaft-leblos daher; die in allen neueren Ausgaben enthaltene Punktierung („homi-nibus“) aus den Dresdner Stimmen fällt genauso unter den Tisch wie die lombardischen Rhythmen später im „Domine Deus“-Duett. An dieser Stelle endete das Interesse des Rezensenten an dieser ärgerlichen Aufnahme.

Michael Wersin, 22.11.2014



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