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Trialogue

Bugge Wesseltoft, Henrik Schwarz, Dan Berglund

Jazzland/Universal 3786601
(49 Min.)

Es gibt wieder eine neue Tendenz im norwegischen Jazz: Nachdem seine Exponenten jahrelang sehr erfolgreich die improvisierte Musik mithilfe der Elektronik in die Clubs brachten, schleppen sie nun die DJs und Laptop-Künstler in den Kammermusiksaal. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man sich die zweite gemeinsame Einspielung des Keyboarders Bugge Wesseltoft und des deutschen Knöpfchendrehers Henrik Schwarz anhört.
Ganz im Gegensatz zu der vergleichbaren Kollaboration des norwegischen Trompeten-Landsmannes Nils Petter Molvaer mit dem Techno-Produzenten Moritz von Oswald lieben es Wesseltoft und Schwarz licht, humorvoll und domestiziert. Ihre ohne 4-to-the-floor-Ranschmeiße auskommende Sitzdisco-Musik bekommt durch die Hinzunahme des schwedischen Bassisten Dan Berglund nun einen entschieden salonhaften, volksliedhaften Charakter.
Berglund streicht seinen Bass wie zu seinen besten Zeiten bei E.S.T. mal wie ein betrunkener Wikinger (gegen Ende von „Valiant“), mal wie ein Hardangerfiedel-Spieler („Take A Quick Break“) und sorgt für eine gewisse Erdung, wenn Wesseltoft am Klavier zu skandinavisch-elegisch oder zu satiehaft wird. An manchen Stellen vernimmt man in dem freundlich pulsierenden Klanggewölk auch eine Posaune oder ein Streichquartett, was den kammermusikalischen Gesamteindruck perfekt macht.
Nur einmal genehmigt sich das Trio einen Moment der dezenten Verstörung. Dann nämlich, wenn es Monks „Round Midnight“ Note für Note auseinandernimmt und das Thema zu einem hypnotischen Beat zwischen Bass und Klavier hin- und herreicht. Die Auswahl des Stückes ist jedenfalls programmatisch. Früher ging es in den Austragungsorten des nordischen Electrojazz um Mitternacht erst richtig los. Jetzt reicht es, wenn man die Musik nachmittags zum Tee hört.

Josef Engels, 22.11.2014



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