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Johann Sebastian Bach, Georg Melchior Hoffmann, Georg Philipp Telemann

Schlage doch, gewünschte Stunde (Kantaten und Arien)

Gerlinde Sämann, Damien Guillon, Jan Kobow, Dominik Wörner, Il Gardellino, Marcel Ponseele

Passacaille/Note 1 PAS989
(63 Min., 11/2012)

In sein neustes Bach-Programm nimmt Marcel Ponseele auch Werke anderer barocker Komponisten auf: Georg Philipp Telemann ist mit seiner bekannten Kantate „Du aber Daniel, gehe hin“ ebenso vertreten wie Georg Melchior Hoffmann mit der Arie „Schlage doch, gewünschte Stunde“. Zu letzterer Arie korrespondiert als weitere Einzelnummer (im Gegensatz zu dem bisherigen Konzept, nur ganze Kantaten vorzustellen) die wunderbare Bassarie „Es ist vollbracht“ aus Bachs BWV 159: Hier präsentiert sich Dominik Wörner von seiner besten Seite. Über leicht federndem instrumentalen Untergrund (wie hat man dieses Stück in vor-historisierender Zeit doch oft zum zähen Klangbad mit zuckrigem Oboenschaum verunstaltet!) bringt er zum Ausdruck, dass der Tod aus barock-theologischer Perspektive nichts Bedrohliches hat; vielmehr beeilt die müde Seele sich gern, friedvoll ihrem Christus nachzusterben. Ob man die „Nun will ich eilen“-Koloraturen noch im Grundtempo hätte anziehen müssen, nachdem sie ja ohnehin schon eine immanente Beschleunigung mit sich bringen, sei indes dahingestellt.
Besonders gespannt waren wir auf Jan Kobows Interpretation der Solokantate „Ich armer Mensch, ich Sündenknecht“, die ja stimmlich durchaus eine beachtliche Herausforderung dargestellt. Man darf konstatieren, dass er das Stück wohl mit respektablem Durchhaltevermögen meistert, wenngleich anzumerken ist, dass er seine Höhenprobleme zwar auf kreative Weise unter Kontrolle hat, aber vor diesem Hintergrund dennoch leider keine ganz entspannte, voll auf den Text konzentrierte Gesangsleistung erbringen kann.
Eine Entdeckung ist im Übrigen G. M. Hoffmanns Arie „Schlage doch, gewünschte Stunde“: Oft werden ja in barocken Stücken mit Sterbe-Thematik die Sterbeglocken durch Streicherpizzicati versinnbildlicht. In diesem Stück nun (das übrigens lange Zeit Bach zugeschrieben wurde) kommen zwei echte Glocken zum Einsatz – ein überraschender, ergreifender Aspekt, vor allem auch, weil Damien Guillon mit seiner weichen, perfekt geführten Altusstimme ohnehin schon für eine äußerst dichte Atmosphäre im Blick auf die ernste Thematik sorgt.

Michael Wersin, 22.11.2014



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