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Moving Parts

Benny Greb

Herzog Records/Edel 1001044HER
(38 Min.)

Humor haben der Hamburger Schlagzeuger Benny Greb und seine beiden britischen Kollegen Chris Montague (Gitarre) und Kit Downes (Keyboards) zweifellos, wie auf der Rückseite ihrer ersten gemeinsamen CD zu sehen ist: Da präsentieren sich die drei Herren als Ghostbusters, standesgemäß ausgestattet mit speckigen Overalls, Nachtsichtgerät und Protonenstrahlern.
Die unseligen Geister der Jazzrock-Gniedelei und des Angeber-Muckertums auszutreiben – dazu sind Greb, Montague und Downes angetreten. Was deshalb auch sehr lustig ist, weil die drei allesamt dieser Szene entspringen. Bandleader Greb ist ein gefragter und gefeierter Musikmessen-Schlagzeuger, der bei seiner Tätigkeit für Colin Towns' Fusion-Band „Blue Touch Paper“ Chris Montague kennenlernte; Keyboarder Kit Downes wirkte unter anderem bei versponnenen Brit-Jazz-Bands wie „Empirical“ oder „Acoustic Ladyland“ mit.
Auf „Moving Parts“ üben sich die drei Geisterjäger in der Kunst der Beschränkung. Sicher, bei zwei, drei Nummern geht es deftiger zur Sache, etwa in dem sehr nach Deep Purple klingenden „Bunker“ oder im noisigen „Delta“. Aber grundsätzlich haben Greb, Montague und Downes bei ihren sich stilistisch zwischen Scofield-Funk, Post-Rock und Afro-Weltmusik bewegenden Stücken viel mehr Interesse an Flächen und Texturen als an der solistischen Verausgabung. Vor allem Greb tut sich da als ein unglaublich präziser Feinmechaniker hervor. Der Schlagzeuger ist ein Meister der unorthodoxen Akzentverlagerungen und schier widernatürlichen Synkopenfiguren, die er lässig herunterschnurren lässt wie ein Schweizer Uhrwerk.
Der Teufel steckt bei so viel Ziselierarbeit denn auch nicht im Detail, sondern im Großen und Ganzen: Ein zusätzlicher Musiker würde in den doch recht ereignisarmen Kompositionen für etwas mehr Abwechslung sorgen. Die echten Ghostbusters waren ja schließlich auch irgendwann mal zu viert.

Josef Engels, 29.11.2014



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