Responsive image
James Tenney, Michael Pisaro, Scott Cazan u.a.

West Coast Soundings

Diverse

Edition Wandelweiser Records EWR 1404/05
(120 Min., 6/2013) 2 CDs

Wo Regisseure und Schauspieler ihr Glück fanden und später auch Computer-Nerds, da war für Komponisten selten was zu holen: Die europäische Avantgarde, die es im zweiten Weltkrieg nach Kalifornien verschlagen hatte – Schönberg, Strawinski, Krenek –, musste das schmerzlich erfahren. Doch mittlerweile ist hier eine produktive Szene entstanden, vor allem im Umfeld des CalArts Institute. Dass die berühmte Kunsthochschule ausgerechnet von Walt Disney gegründet wurde und David Hasselhoff ihr prominentester Absolvent ist – geschenkt. Es gibt auch ein anderes, ein experimentelles, mutiges, nicht kommerzielles CalArts. Man fand und findet es zum Beispiel in den Seminarräumen des 2006 verstorbenen Komponisten James Tenney und seines Nachfolgers Michael Pisaro. Ganz im Geiste eines anderen Kaliforniers, John Cage, haben Tenney und Pisaro Musik entlastet vom Zwang, etwas auszudrücken: Was ihre Schüler wie Scott Cazan, Catherine Lamb oder Laura Steenberge komponieren, ist Musik, in der Klang die einzige Botschaft ist, die entschlüsselt werden soll. Diese Musik ist kein Theater, sondern eine Einladung zum intensiven Hören. Langsam und vorwiegend leise sind die „West Coast Soundings“; Flötistin Lucia Mense, Gitarrist Seth Josel, der Elektronik-Spezialist Hans W. Koch und ihre Kollegen spielen sie mit stoischer Gelassenheit. Technisch geht es vor allem um Obertonstrukturen, Zufallsverfahren und Stimmungssysteme, künstlerisch geht es um eine elementare Erfahrung von Welt. Ein Schelm, wer sich da erinnert an Zeiten, als kalifornische Studenten noch lange Haare hatten und mit dem Bulli zum Campus fuhren.

Raoul Mörchen, 06.12.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ganz schön geflunkert: Mit einer Annonce in der Wiener Zeitung bietet Wolfgang Amadeus Mozart 1783 drei neue Klavierkonzerte zum Kauf an. Und versichert einem breiten Publikum von hausmusikalisch Interessierten, sie seien nicht nur mit großem Orchester mit Bläsern, sondern "auch nur a quattro, nämlich mit 2 Violinen, 1 Viole, und Violoncello", also einem Streichquartett, aufzuführen. Das war ein billiger Marketingtrick, denn der Blick in die Partitur zeigt, dass Mozart von Anfang an neben […] mehr »


Top