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Full On!

Chris Walden Big Band

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(55 Min.)

Wem der Name Chris Walden ein großes Fragezeichen ins Gesicht malt, dem sei gesagt: Der gebürtige Hamburger ist der wohl meistgefragte deutsche Jazzer in den USA. Allerdings nicht an der Trompete, seinem Studiums-Instrument, sondern am Schreibgerät. Walden konnte bereits fünf Grammy-Nominierungen für seine Big-Band-Arrangements einstreichen, zu seinen Auftraggebern zählen Barbra Streisand, Stevie Wonder, Rihanna und demnächst, Gott bewahre, Helene Fischer.
Dass die atemlose Weltmeister-Sängerin im Jazzorchester-Gewand wahrscheinlich eine passable Figur machen wird, dafür bürgt die fünfte Einspielung von Chris Waldens Big Band. Der Bandleader und Arrangeur ist nämlich nicht nur ein akribischer Verwalter der amerikanischen Orchestertradition seit Count Basie, sondern hat auch ein großes jazzsinfonisches Umhüllungsgeschick bei Pop-Nummern. Auf „Full On!“ zeigt er das bei seinen swingenden Umarbeitungen der Hits von Stevie Wonder, Christopher Cross und Tom Jones gleich mehrfach.
Die Ergebnisse sind freilich recht unterschiedlich: Gelingt es Walden bei Jones' „If I Only Knew“, die Nummer flink und cool mit einem Sprechgesangs-Part unverstaubt in den Big-Band-Kontext zu überführen, so stellt sich bei Stevie Wonders „Sir Duke“ das umgekehrte Gefühl ein. Die Retro-Swing-Version wird zu einem einzigen Anachronismus, weil die Nummer ihren ursprünglichen Witz einbüßt – der ja darin bestand, dass Wonder die Segnungen der Big-Band-Ära clever mit den Soul- und Disco-Mitteln der 70er Jahre pries.
Ohnehin zeigt sich Waldens Arrangierkunst am deutlichsten und schönsten bei den instrumentalen Stücken auf „Full On!“ Mit dem an Waldens Mentor Peter Herbolzheimer erinnernden „Gatsby“, der für den kubanischen Trompeter Arturo Sandoval geschriebenen und vom Geehrten ungewohnt sanft veredelten Komposition „Arturo“ sowie der Big-Band-Version des Yellowjackets-Stücks „Out Of Town“ dürfte die nächste Grammy-Nominierung sicher sein.

Josef Engels, 13.12.2014



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