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Ming Tsao

Pathology Of Syntax

Arditti Quartet, ensemble recherche, Ensemble Ascolta, Ensemble SurPlus

Mode Records/harmonia mundi MODE 268
(79 Min., 2001-2010)

Kalifornien ist nicht nur Sonnenschein, Surfen und Mrs. Robinson, Kalifornien ist auch die Heimat der Nerds und Superhirne. Kalifornien ist die Heimat von Ming Tsao. 1966 in Berkeley geboren, hat Ming Tsao seinen Geist mit allem gefüttert, was an der Westküste verfügbar war: mit gleich drei Kompositionsstudiengängen an den Eliteschmiede von Berkeley, San Diego und Stanford, mit einem Studium der Musikwissenschaft und einem der Philosophie und Logik, das er gleich abschloss mit einer Doktorarbeit über ein mathematisches Problem der Gruppentheorie. All das zusammen war am Ende wohl zuviel: nicht für Tsao, sondern für Kalifornien. Denn so gut die Ausbildungsstätten auch sein mögen zwischen San Francisco und Palm Springs – wer als Komponist eine Karriere abseits der Universitäten will, der muss am Ende doch wieder ins alte Europa. Und so lebt Ming Tsao, wenig originell, heute in Berlin und unterrichtet in Schweden. Hier ist Tsao jener Tradition auch viel näher, die ihm so am Herzen liegt, die er überhöht und zerlegt, zitiert, verfremdet und dekonstruiert, die Tradition westlicher Kunstmusik: Beethovens op. 111 im Septett „Un(Cover)“, Mozarts Oboenquartett im Ensemblewerk „The Book Of Virtual Transcriptions“ oder Bachs „Kunst der Fuge“ in „Canon“ für Klarinette und Cello. Seit seinem Umzug nach Berlin vor ein paar Jahren ist Tsao bei uns kein ganz Unbekannter mehr, und doch hätte man sich von der ersten Porträt-CD des Komponisten aus dem Hause Mode Records neben den hervorragenden Aufnahmen aus ARD-Beständen mehr Informationen gewünscht über das musikalische Denken, die Machart und Konstruktion der Werke, die Ästhetik dieses so hochkomplex denkenden und so virtuos komponierenden Künstlers. Der Booklet-Text aber beschränkt sich aufs intellektuelle Geraune und lässt unsere Neugierde im Stich. So müssen wir uns einstweilen begnügen mit dem, was unsere Ohren uns sagen: Dieser Ming Tsao aus Kalifornien ist ein vielleicht überspannter, aber verdammt guter Komponist.

Raoul Mörchen, 13.12.2014



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