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Joseph Haydn

Vier Klavierkonzerte

Sebastian Knauer, Kölner Kammerorchester, Helmut Müller-Brühl

(77 Min., 02/2007) 1 CD

Klavierkonzerte von Joseph Haydn? So mancher wird wohl noch nie davon gehört haben – aber es gibt sie: Drei der Werke sind sicher original, die Echtheit eines vierten (desjenigen in G-Dur, Hob. XVIII:9) ist ungewiss. Wenig weiß man über Gründe und Umstände ihrer Entstehung; mit Sicherheit indes hat Haydn, ganz anders als Wolfgang Amadeus Mozart, diese Werke nicht komponiert, um sich selbst als Solist zu präsentieren und damit Geld zu verdienen. Außerdem entstanden sie weitgehend wohl vor den Klavierkonzerten Mozarts, konnten diese exzeptionell genialen und effektvollen Exemplare derselben Gattung also nicht zum Vorbild haben. Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen erstaunt die Reizesfülle von Haydns Klavierkonzerten umso mehr: Es fehlt ihnen weder an spektakulärer Virtuosität noch an lyrischer Innigkeit; ihr prägnantes thematisches Material wird auf originelle, spritzige und kurzweilige Weise verarbeitet. Helmut Müller-Brühl mit seinem auf modernen Instrumenten historisierend musizierenden Kammerorchester und sein äußerst gewandter Solist Sebastian Knauer müssen also keinesfalls gegen eine etwaige mäßige Qualität anspielen; vielmehr bieten ihnen diese kurzweiligen Perlen der Konzertliteratur vielfältigste Angriffspunkte für eine mitreißende Interpretation, wie sie denn auch scheinbar mühelos gelingt: Mit atemberaubender Brillanz dahinperlendes Laufwerk in den Ecksätzen, ausdrucksstark musizierte, weit ausgreifende Kantilenen in den Mittelsätzen, dargeboten in perfekt ausbalanciertem Zusammenspiel von Solist und Orchester. Ausgelassene Spielfreude und Begeisterung an ebenso kernig-gesättigter wie durchsichtiger Klanglichkeit bestimmen den nirgends auch nur marginal getrübten Höreindruck. Eine nachschöpferische Meisterleistung, die diesen Stücken hoffentlich zu größerer Popularität verhelfen wird.

Michael Wersin



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