Responsive image

Nightwalker

The Silent Jazz Ensemble

Double Moon/New Arts International DMCHR71145
(44 Min., 5/2013)

Mit seiner irgendwo zwischen Tangerine Dream und melancholischem Ethno-Jazz angesiedelten Musik avancierte das „Silent Jazz Ensemble“ Ende der 80er Jahre nach Plattenverkäufen zu einer der erfolgreichsten Improvisations-Formationen Deutschlands. Jetzt hat Helmut Engel-Musehold, der Kopf der Band, das Projekt aus seinem 15-jährigen Dornröschenschlaf geweckt.
Aus dem ehemaligen Quintett, dem unter anderem auch der heutige deutsche Freejazz-Exportweltmeister Gebhard Ullmann angehörte, ist ein Trio geworden. Verschwunden sind auch die wabernden Keyboardflächen, was durchaus gutzuheißen ist. Vor allem deshalb, weil es eine der Spezialitäten des italienischen Bassisten und Wahl-Berliners Roberto Badoglio ist, seinem Instrument ungemein dichte und flirrende Arpeggien zu entlocken. Badoglio ist Tieftonlieferant und Akkordbegleiter in einem. Das macht die introvertierten Kompositionen des neuen Silent Jazz Ensembles gleichzeitig freier und aufgeräumter.
Nutznießer der Situation ist Engel-Musehold, dem Badoglios Bass-Grundierungen und das offene, viel mit zischenden Becken arbeitende Kammer-Rock-Spiel des US-Drummers Ray Kaczynski als perfekte Basis für seine weltmusikalischen Wehlaute auf Saxofon, Klarinette oder Flöte dienen. Diese meditative Versenkung in exotische Melodielinien, die dahinschweben wie bislang unentdeckte Schmetterlinge, hat oftmals etwas von Charles Lloyd. Ein stilles, unangestrengtes Comeback, das erst gar nicht versucht, den kommerziellen Erfolg früherer Tage zu wiederholen.

Josef Engels, 20.12.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top