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Bernard Foccroulle, Arnold Schlick

Orgelwerke

Bernard Foccroulle, Alice Foccroulle, Lambert Colson

Aeon/Note 1 AECD1440
(58 Min., 5/2011, 6/2012, 5/2014)

Der Belgier Bernard Foccroulle ist ein Allrounder, wie er im Buche steht. Er ist bzw. war Mitbegründer des Ricercar Consorts, Opernhaus-Intendant und aktuell in Aix Festivalleiter. Und selbstverständlich frönt er nebenbei seiner eigentlichen Passion, dem Orgelspiel. Wobei er der festen Überzeugung ist, dass die Orgel nur lebendig bleibt, wenn man „eine fruchtbare Verbindung zwischen neu Entstehendem und dem großartigen Erbe“ herstellt. Diese Forderung hatte Foccroulle 2011 in Zürich im Rahmen eines Internationalen Orgel-Symposiums aufgestellt. Und natürlich lässt er seinen Worten regelmäßig die entsprechenden Taten folgen. So bringt er die Orgel mit zeitgenössischem Tanz zusammen. Oder Foccroulle holt sehr alte Orgeln – etwa aus dem frühen 17. Jahrhundert – aus der historischen Repertoire-Ecke, indem er sich von ihrem Klang sowie ihren spieltechnisch limitierten Zügen für eigene Werke inspirieren lässt.
Solch ein Dialog zwischen Gestern und Heute, zwischen Tradition und musikalisch gemäßigter, wenngleich reizvoll prismatischer Moderne bildet so den roten Faden seines aktuellen Recitals. Insgesamt sechs Stücke aus Foccroulles Feder sind zu hören, in denen er auf unterschiedliche Weise zurück nach vorne blickt. Von einer (natürlich) hochvirtuosen, sich gleichermaßen ins Mystische versenkenden „Toccata“ über die vom Messiaen-Geist durchwehten „Kolorierten Flöten“ bis hin zu „Nigrum sum“ reicht der Bogen, bei dem die drei klassischen Renaissance-Instrumente Orgel, Stimme (Alice Foccroulle) und Kornett (Lambert Colson) zu einer schillernd schönen Meditation ansetzen. Höhe- und Schlusspunkt dieser musikalisch sich durchdringenden Parallelwelten-Expedition ist der Zyklus „Spiegel“, in dem sich sechs gleichnamige Piècen Foccroulles mit den fünf Sätzen des „Salve Regina“ vom deutschen Renaissanceorgel-Pionier Arnold Schlick abwechseln bzw. sich in ihnen spiegeln. Das Sympathische und damit aber auch das Erfolgsrezept an dieser kreativen Versuchsreihe ist, dass Foccroulles kompositorische Fantasie sich aus dem Alten speist und trotzdem nicht ins Imitatorische verfällt, sondern stets die Gegenwart mitdenkt.

Guido Fischer, 27.12.2014



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