Responsive image
Matthias Weckmann

Complete Organ Works

Bernard Foccroulle

Ricercar/Note 1 RIC 348
(134 Min., 5/2012 & 9/2013) 2 CDs

Unsere Kenntnis der deutschen barocken Stilistik stützt sich nach wie vor meistens auf die Rezeption von Werken nur weniger Musiker: Auf Bach läuft alles zu, er verbindet viele Linien zu apotheotischer Größe. Buxtehude wurde lange Zeit vor allem als ein Vorgänger Bachs gesehen; Schütz ist immerhin seit langem als „Erfinder der musikalischen Rhetorik“ anerkannt.
In Wahrheit ist der musikalische Reichtum jener Zeit unermesslich vielfältig. Bernard Foccroulle engagiert sich seit vielen Jahren unermüdlich für die barocke Orgelmusik, er spielte auf historischen Instrumenten die Hinterlassenschaften von Musikern wie Scheidemann oder Tunder ein. Allzu viel Überliefertes gibt es jeweils leider nicht, denn in der Barockzeit wurde an der Orgel meistens improvisiert. Das durch Notation erhaltene Repertoire ist indes von geradezu erhabener Qualität. Das erleben wir erneut anlässlich der Gesamteinspielung der Orgelmusik des Hamburger Jacobi-Organisten Matthias Weckmann durch den auch hier wieder unbestechlich kompetenten Foccroulle. Gerade einmal zwei CDs füllen die Werke des Ausnahme-Könners Weckmann, über dessen Kunst, einen Choral versweise musikalisch auszudeuten, die Zeitgenossen sich bewundernd äußerten. Solche Choralvariationen nehmen denn auch den breitesten Raum auf diesen eindrucksvollen CDs ein. Die Orgeln werden mit ihren herrlich prägnanten, sprechenden Klangfarben ganz unmittelbar zu Instrumenten der Verkündigung. Eine avancierte Tonsprache gilt es hörend zu erschließen, über die man auch heute noch nicht genug staunen kann.

Michael Wersin, 03.01.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Haydn auf Französisch? Das klingt doch wie Wiener Schnitzel mit Weinbergschnecken. Weit gefehlt: Er komponierte für das Pariser Publikum maßgeschneiderte Sinfonien und schaffte es so, alle anderen zeitgenössischen Komponisten in dessen Gunst noch in den letzten Jahren des ancien régime quantitativ aus dem Konzertsaal zu fegen. Ohne je dort gewesen zu sein. Denn tatsächlich gönnte sich Weltbürger Joseph Haydn auf dem Weg nach London keinen Abstecher an die Seine. Aber man wird ja wohl […] mehr »


Top