Jean-Philippe Rameau

Les Indes galantes

Hugo Reyne, La Simphonie du Marais, Le Chœur du Marais, Valérie Gabail, Stéphanie Révidat, Reinaud Van Mechelen u.a.

Musiques à la Chabotterie/harmonia mundi MC 605013
(202 Min., 1/2013) 3 CDs

 

Jean-Philippe Rameau

Les fȇtes de l`Hymen et de l´Amour

Hervé Niquet, Le Concert Spirituel, Chantal Santon-Jeffery, Carolyn Sampson, Reinaud Van Mechelen u.a.

Glossa/Note 1 GCD 921629
(115 Min., 2/2014) 2 CDs

 

Jean-Philippe Rameau konnte einfach nichts unter seinem Niveau komponieren. Und so pflanzte er seinen Bühnenwerken immer wieder auch Tanzsätze ein, die wegen ihres rhythmischen Raffinements selbst ausgewiesene Ballettkönner zur Verzweiflung bringen konnten. So soll der als Gott des Tanzes gefeierte Louis Dupré beim Finalsatz der Ballett-Oper „Les Indes galantes“ regelrecht verzweifelt gewesen sein – bis ihm Rameau höchstselbst die Choreografie aufzeichnete. Doch nicht nur mit solchen beflügelnden Tänzen betrat Rameau 1735 Neuland. „Les Indes galantes“ wurde zu einer exotischen Revue-Reise, die von der Türkei über Peru und Persien bis nach Nordamerika führte. Und statt der mythologischen Figuren, die bis dahin die Gattung der Tragédie lyrique bevölkerten, begegnete man nun einem „großmütigen Türken“ im 1. Aufzug; gefolgt von den „Inkas von Peru“ über persische Blumen bis zu wilden Indianern (schon 1725 hatte Rameau in Paris ein Konzert miterlebt, bei dem zwei Indianer aus Louisiana aufgetreten waren). „Les Indes galantes“ gehört somit zu Recht allein schon wegen seiner ungebremsten Buntheit zu den absoluten Rennern: ob im Konzertsaal, wo die zu Suiten gebündelten Highlights immer zünden, oder auf der Opernbühne, wo man den nimmermüden, sich nie in Routine verirrenden Arienerfinder Rameau feiern darf, ja muss.
Genau diese Gelegenheit bietet auch die Aufnahme von „Les Indes galantes“ durch die versierte French Baroque-Truppe um Dirigent Hugo Reyne. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, sich an diesem typischen Rameau-Mix aus Esprit, vertrauten und fernen Lautmalereien, Feingeistigem und Brillantem zu delektieren und genau das auch für den Zuhörer sinnfällig zu machen.
Im Gegensatz zu „Les Indes galantes“ ist das in Ägypten spielende Opern-Ballett-Triptychon „Les fȇtes de l`Hymen et de l´Amour“ bisher auf dem CD-Markt nicht in Erscheinung getreten. Zwar hatte Hugo Reyne bereits 2005 mit dem im Land der Pyramiden spielenden Einakter „La naissance d´Osiris“ auf Rameaus Vorliebe für nordafrikanische Götter-Mythen und Liebessäuseleien hingewiesen. Doch das 1747 in Versailles, anlässlich einer Heirat des Dauphins uraufgeführte Ballet héroïque schlägt musikalisch nun vielfach interessantere Töne an. Das gilt für die umfangreich eingesetzten wie reich bestückten Chorsätze genauso wie etwa für solistische Sängerensemble in Quintettstärke. Hervé Niquet setzt mit seinem ebenfalls blendend eingespielten Chor und Orchester sowie handverlesenen Rameau-Spezialisten auf ein facettenreiches, stets herrlich leuchtendes und die Seelenbezirke wunderbar umgarnendes Klangbild. Wie schön, dass die Rameau-CD-Bibliothek auf diesem Niveau immer umfangreicher wird.

Guido Fischer, 10.01.2015




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