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Franz Schreker, Arnold Schönberg, Alexander Zemlinsky, Alban Berg, Gustav Mahler

Fin de siècle (Lieder)

Anke Vondung, Christoph Berner

CAvi/harmoni mundi CAVI8553313
(70 Min., 1/2013)

Ein Programm aus Fin-de-siècle-Liedern – jenen Miniaturen für Gesang und Klavier, die sich der ganzen harmonischen, melodischen und poetischen Reichtümer jener zum Bersten sinngefüllten, darum aber auch hochexplosiven Zeit bedienen: welch gute Idee! Schönbergs raffiniert dichte Harmonik vor seiner Hinwendung zur „Atonalität“, die herbere, dunkel-mysteriöse Tonsprache seines Schwagers Alexander Zemlinsky; Franz Schrekers hymnisch-floraler Stil, dazu früher Alban Berg und reifer Gustav Mahler.
All dies könnte den Hörer von einem Begeisterungssturm zum nächsten führen, wäre da als lähmender Gegenpol zu einer in mancher Hinsicht um Differenziertheit bemühten Darbietung nicht das monochrome Timbre von Anke Vondung, die viele Kantilenen mit kaum jemals ruhendem Vibrato und wenig vordersitzigem (und darum nicht sehr textverständlichem) Ansatz in ein gedämpftes, oft trübes Licht taucht. Nicht dass diese Farbe niemals passen würde: Am Anfang von Zemlinskys „Drei Schwestern“ etwa überzeugt sie durchaus. Es fehlt nur die Vielfalt durch Entgegengesetztes: helle Vokale, silbrig-obertonreiches Brillieren, strahlend offene Jubeltöne ohne das schwere Samt einer stets den Übergang in die tiefe Lage avisierenden gedeckten Stimmgebung. Allein dadurch, nicht etwa durch mangelnden Ausdruckswillen wird dem Hörer eine Dimension dieses Repertoires – ein nicht unerheblicher Teil seiner Klangsinnlichkeit – vorenthalten.

Michael Wersin, 10.01.2015



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