Responsive image

Dance Mañana!

Uli Lenz

HGBS/Fenn HGBS20041
(60 Min., 8/2014)

Uli Lenz ist so etwas wie ein einsamer Wolf unter Deutschlands Jazzpianisten. Der Anfangssechziger lernte von Kindesbeinen an Klavier, Harmonielehre und die Regeln der Improvisation. Von Earl Hines und Duke Ellington fasziniert kam er zum Jazz und wurde dann im Berlin der 80er Jahre nachhaltig musikalisch sozialisiert. Soloauftritte gehören von Anfang an zu seinen Aktivitäten. Geprägt ist sein Spiel dabei von einer Bewunderung für den Traditionsstrang der von Monk ausgehenden schwarzen Pianisten bis hin zu McCoy Tyner und darüber hinaus; dazu kommt eine Verehrung für kraftvoll fließende polyrhythmische Intensität. Sein virtuoses Solospiel ist weit entfernt von der Neuen Innerlichkeit oder Jarrett’scher Hymnik. Affirmativ ziseliert er seinen Diskurs aus linearer motivischer Entwicklung und exquisiter harmonischer Ausdeutung, dabei kommt seiner kräftig zupackenden linken Hand eine eminent wichtige Rolle zu.
Friedhelm Schulz von HGBS, dem Saba/MPS-Nachfolgelabel, hat nun dem Solisten Lenz die einmalige Chance eröffnet, auf dem legendären Grand Imperial Flügel von Bösendorfer – dem mit den zusätzlichen Bässen – im unter Denkmalschutz stehenden MPS-Studio ein Soloalbum zu realisieren. Laut Lenz bestimmte die Herausforderung des Instruments die sensibel abwechslungsreiche Auswahl der sieben Originals und fünf Standards – darunter „So What“ und „Summertime“. Mit höchster Konzentration macht sich Lenz das mitunter als Monster apostrophierte Instrument zu eigen, entfaltet ganz ohne Bombast, dafür aber mit umso stimmigerer Intensität seine hohe Improvisationskunst. Der Klang der Aufnahme macht sie zu einem audiophilen Highlight, das auch die oft vernachlässigte Reputation von Lenz ins rechte Licht rücken möge.

Thomas Fitterling, 24.01.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Jeder Künstler braucht eine Muse. Wer weiß, ob Richard Wagner „Tristan und Isolde“ geschrieben hätte, wenn er nicht 1852 in Zürich seine Seelenfreundin Mathilde Wesendonck kennen gelernt hätte. Was da genau gelaufen ist, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Der intime Ton eines Briefes Richard Wagners an Mathilde reichte in jedem Fall aus, um seine erste Frau Minna (die das Schreiben abfing) zu alarmieren. Es folgten ein unschöner Eklat und das Ehe-Aus der Wagners. Mathilde aber war nicht […] mehr »


Top