Laurence Equilbey hat zwar nicht offiziell bei William Christie studiert. Aber zumindest über diverse Ecken muss die Französin sich einiges von Christies Devise abgelauscht haben, dass man bei aller musikantischen Authentizität auch bei Mozart nie den gemeinsamen Fluss und Atem vergessen darf. Nun könnte man im Fall der Neueinspielung von Mozarts „Requiem“ direkt einwerfen, dass all die Kanten, die man eigentlich von Musikern auf historischen Instrumenten erwarten könnte, nicht von Equilbey, sondern vom Aufführungsraum abgeschliffen worden sind. Und der Hall der Königlichen Kapelle im Versailler Schloss ist keinesfalls zu unterschätzen, wie das Tondokument und geradezu überdeutlich das „Rex Tremendae“ zeigt. Doch zur Klangsuppe wird auch das nicht. Denn auch hier sorgt Equilbeys extrem feines Gespür und Ohr für eine Stabilität sowie Balance aus pulsierender Direktheit und entpathetisierter Emotion, die eindeutig von Menschenhand gemacht sind.
Überhaupt kann man nur die konsequente Gangart bewundern, mit der die Dirigentin und Chefin des Accentus-Chores und des Insula Orchestra dem „Requiem“ jegliche Härte und übermäßige Wucht herausfiltert, um das von vielen Klischees überfrachtete Meisterwerk wieder in eine Haltung zu bringen, die endlich wieder das Ausgeglichene, sogar das Elysische betont. Trotzdem hat alles eben hier Hand und Fuß und der Chor bis ins Sanfte Substanz. Auf diesem Niveau bewegt sich mit ganz leichten Abstrichen das Solistenquartett. Während bei Bariton Christopher Purves die dynamischen und klanglichen Abtönungen etwas zu eindimensional wirken und Werner Güra bisweilen ins „Opernhafte” abrutscht, lassen Sandrine Piau und Sara Mingardo keine Wünsche offen, was tonsprachliche Gestaltung, Genauigkeit und Ausdrucksintensität angeht. Ab sofort gehört dieses Mozart-Requiem zu jener Handvoll von Aufnahmen, die man maximal von diesem Werk haben sollte.

Guido Fischer, 07.02.2015



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