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Joachim van den Hove

Florida (Lautensammlung)

Massimo Marchese

Brilliant Classics/Edel 1094962BRC
(55 Min., 3/2014)

Der niederländische Lautenist Joachim van den Hove war ein Zeitgenosse von John Dowland und hat es immerhin auf über 300 Stücke gebracht. Dennoch ist van den Hove, der 1620 mittellos in Den Haag starb, heute ziemlich in Vergessenheit geraten. Dabei liegen seine Werke und Bearbeitungen in immerhin drei Notenkonvoluten aus den Jahren 1601, 1612 und 1616 vor. An der Quellenlage kann es also nicht liegen, weshalb sein Name bei den ohnehin kaum mehr veranstalteten Lautenrecitals nicht auftaucht. Um van den Hove wenigstens ein wenig dem Dunkeln zu entreißen, hat der italienische Lautenist Massimo Marchese nun eine Auswahl aus dem allerersten Lautenbuch namens „Florida“ getroffen und auf einem herrlichen, achtchörigen Nachbau einer Renaissance-Laute von Vendelio Venere eingespielt.
Ganz den musikalischen Moden des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts sind die Gaillards und Courantes, Pavanen und Allemandes verpflichtet. Von konzentrierter Ausdruckskraft bis zu würdevoll höfischen Tänzen reicht das Spektrum der Kompositionen von van den Hove. Und dass er zudem ein wunderbares Händchen für die fremden Hits seiner Zeit besaß, etwa für den Dauerbrenner „Greensleeves“, für eine „Spagnoletta“ sowie sogar für John Dowlands „Pavana Lachrimae“, unterstreicht Massimo Marchese ebenfalls mit seinem äußerst nuancenreichen, seelenvollen, den Geist und das Gemüt ansprechenden Spiel. Diese Aufnahme könnte der Startschuss für eine kleine Joachim van den Hove-Renaissance sein.

Guido Fischer, 14.02.2015



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